Auf den Spuren des ersten Entdeckers

Für Jahrmillionen hat kein Mensch einen Fuß auf die Inseln Neuseelands gesetzt. Das Land wurde beherrscht von tiefgrünen Wäldern und einer Vielfalt von Tierarten. Lustigerweise hat Neuseeland tatsächlich keine einheimischen Säugetiere; alle Säugetiere, die heute hier leben, wurden von Einwanderen mitgebracht und werden heute als Pest bekämpft 🙄. Zuvor gediehen Moas (urzeitliche Riesenvögel) ohne natürliche Feinde auf Nord- und Südinsel. Das sollte sich im 13. Jahrhundert ändern, als die ersten Menschen nach Neuseeland kamen. Entdecker und Seefahrer aus Polynesien entdeckten die Insel und ließen sich dort nieder. Mit dem Gedeihen der menschlichen Zivilisation mussten allerdings viele einheimische Tier- und Pflanzenarten aussterben, unter anderem auch die Moas, die von den Vorfahren der heutigen Maori schlicht alle gegessen wurden. Doch es sollte noch weitere 400 Jahre dauern, bis der erste Europäer Neuseeland erblickte.

Der Niederländer Abel Tasman entdeckte im 17. Jahrhundert die Südinsel Neuseelands, setzte allerdings lustigerweise nie selbst Fuß auf die Insel. Tasmans Schiff ankerte ganz im Norden der Südinsel und dort trafen die Europäer auch zum ersten Mal auf die Maori. Die Maori, als die stolzen Krieger, die sie sind, fanden das natürlich alles andere als lustig, dass plötzlich komische weiße Menschen an Land gehen wollten und griffen Tasmans Flotte an. Um einem Großangriff zu entgehen, verließ Tasman Neuseeland daraufhin und nannte die Bucht Mörderbucht (heute hat man die Bucht in den politisch etwas besser besetzten Namen Goldene Bucht umbenannt). Trotz der Fehlgeschlagenen Expedition hat man (neben dem australischen Staat Tasmanien und der Tasmanischen See) in Neuseeland den Tasman-Gletscher, die Tasman Bay und auch den Abel-Tasman-Nationalpark nach dem ersten europäischen Entdecker benannt.

Und eben jener Abel-Tasman-Nationalpark war meine erste Station auf der Südinsel. Vom kleinen Ort Nelson aus, fährt man noch etwa zwei Stunden zum Nationalpark, wo man dann verschiedene und verschieden lange Touren unternehmen kann. Am beliebtesten ist definitiv der Costal Track, der einen einmal an der Küste entlangführt. Bis zu fünf Tage, kann man da entlanglaufen. Wenn man aber so wie ich, keine Lust hat tagelang unterwegs zu sein, kann man auch einfach einen kürzere Tour an einem Tag unternehmen.

Vom kleinen Ort Kaiteriteri aus ging es mit dem Wassertaxi los. Vorbei an Adele Island, einer ganz besonderen kleinen Insel. Denn Adele Island ist einer der letzten Flecken in Neuseeland, in dem nur native Spezies leben. Eine Vielzahl von einheimischen Vogel- und Pflanzenarten tummeln sich hier Seite an Seite mit den Fur Seals (die genau genommen keine Robben, sondern Seelöwen sind) und kleinen Blue Penguins. Vorbei am Split Rock, einem Felsen, der durch Jartausende langes Einfließen und Gefrieren von Regenwasser, einmal in der Mitte durchgebrochen ist.

Und angekommen in Bark Bay, von wo aus ich mich auf den Weg zurück nach Süden gemacht habe. Stunde um Stunde maschiere ich also an der Küste entlangt. Mal durch den Regenwald, mal direkt am Wasser entlang, bergauf, bergab. Und auch wenn’s heiß und wahnsinnig anstrengend war, atemberaubende Ausblicke auf goldene Strände und türkises Wasser, waren es wert.

Und am Ende wartete dann zum Glück der Bus auf mich, der mich zurück nach Nelson gebracht hat. Die nächsten zwei Tage, habe dann noch bei wunderschönem Wetter in Nelson am Strand rumgebracht, bevor ich wieder in den Bus gestiegen bin, um die Westküste entlang zu tuckern.

Neuseelands wilder Westen! Zwischen hohen Bergen und stürmischer See geht’s wohl kaum ursprünglicher oder schöner 😉 Auf dem Weg habe ich kleine Zwischenstopps in Punakaiki, Greymouth und Hokitika gemacht, von wo aus es dann an den südlichsten Punkt der Küstenstraße und über den Haast Pass zu meiner nächsten Station ging. Vorbei an schneebedeckten Gletschern und brausenden Wasserfällen bin ich also nach Queenstown gefahren. Ins geschäftige und adrenalingeladene Herz der Südinsel!