irgendwo in mexiko

Irgendwann musste ich mich dann aber doch von Mexico City verabschieden, so schwer es mir fiel. Doch bald schon wartete das richtige Mexico auf mich: Egal ob im blauen Meer oder tiefen Dschungel, Mexiko hat mich nicht nur überrascht, sondern total vom Hocker gehauen.

Angefangen hat meine Tour in Puebla. Nur etwa zwei Stunden südlich der Hauptstadt gelegen, ist es fast eine kleine eigene Welt. Während der spanischen Eroberung wurde Puebla als ideale spanische Stadt fern der Heimat errichtet. Zentrum der Künste, der Küche und Kultur. Und noch heute bezaubert die wunderschöne Kolonialstadt mit ihren tausenden Kirchen am Fuße des Popocatépetl. Und auch an der Mole Poblano (mexikanische Sauce mit Schoki 😉) kommt man hier kaum vorbei bei einem ausgedehnten Spaziergang durch die Altstadt.

Nächster Halt: Oaxaca City. Genauso bezaubernd, liegt die Stadt im Norden der ersten Provinz Oaxaca (sprich: Oachaka), die ich auf meiner Tour besuchen werde. Dann ging hier das gleiche Spiel wieder von vorne los: in brütender Hitze durch die Stadt laufen, Kirchen anschauen, Häuser bewundern, alles Essbare in der Umgebung probieren. Da kam mir die kühle Brise, die auf dem Aussichtspunkt über der Stadt wehte ganz gelegen. Da oben saß ich dann ein bisschen, habe die Stille und Aussicht genossen, bevor ich mich abends wieder in die wuselige Stadt gestürzt habe.

Denn eines hat Oaxaca City, mit dem Puebla nicht auftrumpfen kann. Nachtleben. Und wie. Freitagnachmittag ging es schon los, als eine riesige Parade von Musik und Tanz (und Bier) begleitet durch die Stadt zog. Abends nach dem Family Dinner im Hostel sind wir noch in den Genuß einer Mezcal-Verkostung gekommen. Für alle, die noch nie in Mexiko waren und nicht wissen, was die Mexikaner für Snobs sind, wenn es um Alkohol geht, hier die Erklärung: Mezcal wird, wie Tequila, aus der Agave gewonnen. Für den Mezcal wird dann eine oder mehrere Sorten der Agave geräuchert bevor Schnapps draus wird. Für den billigeren Tequila (der sich theoretisch auch nur so nennen darf, wenn er aus der Region Tequila kommt) wird die Agave nicht geräuchert und der Schnapps normalerweise auch nicht gelagert, um den Geschmack zu intensivieren. Nur verständlich also wenn es die Mexikaner als absoluten Affront verstehen, wenn man ihren geliebten Mezcal nicht in kleinen Schlücken genießt, sondern sich in einem Schuss wie eine 18-jährige Amerikanerin auf dem Spring-Break in Cancún hinter die Binde kippt. Und dann haben wir die Abende in Oaxaca City mal gemütlich, mal feiernd auf den unzähligen Dachterassen der Stadt ausklingen lassen. Doch die Region Oaxaca hat noch mehr zu bieten; vor allem kilometerlange Strände mit einigen der besten Wellen, die die Pazifikküste der beiden Amerikas zu bieten hat.

Also habe mich auf den Weg gemacht ins berüchtigte Puerto Escondido. Wer dort übernachten möchte (und das kann ich nur wärmstens empfehlen) fährt am besten direkt aus der Stadt raus, den Stand hinunter nach La Punta. Viel entspannter und ruhiger lässt es sich hier mitunter nicht nur Tage sondern Wochen und Monate aushalten. Viel zu tun gibt es im Grunde genommen nicht in Puerto Escondido. Der Ort ist geprägt vom surfen und dann habe ich mir auch wieder ein Board geschappt und mich in die Wellen gestürzt. Den Point Break vor der Haustüre in La Punta habe ich den Könnern überlassen und die riesigen Brecher am Hauptstrand Zicatela sind nur denen zu empfehlen, die wirklich wissen, was sie tun. Und leicht lebensmüde sind. Denn nicht umsonst wird die Welle auch Mexican Pipeline genannt (nach einer der berühmtesten Wellen Hawaiis) und kann sich bei richtigen Bedingungen locker auch mal 10m auftürmen. Die kleine Bucht am Playa Carizalillo war eher was für mich und neben guten Bedingungen auch noch wunderschön.

Neben täglich zwei mal surfen und hin und wieder ein bisschen Yoga hatten wir dann auch kaum mehr Zeit für viel anderes. Aber Zeit ein paar Babyschildkröten zu retten hat man immer. Die Schildkröten kommen jedes Jahr an alle Strände entlang der mexikanischen Pazifikküste und legen ihre Eier im Sand ab. Um die Eier von menschlichen oder tierischen Räuber zu schützen, werden sie eingesammelt und können sich eingezäunt und gut behütet langsam entwickeln. Sobald die kleinen Schildkröten dann geschlüpft sind, werden sie am Stand freigelassen und müssen nur noch die letzten paar Meter ins offene Meer schaffen. Und es wäre ja gelacht, wenn man daraus nicht auch eine genauso unterhaltsame wie lehrreiche Touristenattraktion machen könnte. Für ein paar Euro kriegt man dann eine Kokosschale mitsamt Babyschildkröte in die Hand gedrückt und muss ihr einen Namen geben, bevor sie in die Freiheit entlassen wird. Und so standen wir am Stand und haben Fred (links) und Rosie (rechts) dabei zugeschaut wie sie sich raus aufs offene Meer gekämpft haben. In freier Wildbahn überlebt nur ein winziger Bruchteil der Eier diesen Weg und ihre ersten Jahre im Meer, mit der Hilfe von Organisationen wie dieser schafft es aber fast ein viertel bis ins Erwachsenenalter.

Eine gute Tat später haben wir uns glücklich und zufrieden wieder nach Hause aufgemacht, um den letzten Abend in La Punta ausklingen zu lassen. Es ist mir wirklich schwer gefallen, La Punta und das entspannte Leben am Meer hinter mir zu lassen; ich hätte es hier Monate ausgehalten, wenn nicht der Rest Mexikos darauf gewartet hätte entdeckt zu werden. Und so habe ich Surfen und Meer in Oaxaca gegen Salsa und Berge in Chiapas eingetauscht. Aber dazu bald mehr bei Lotti:)

CDMX

Jedes mal, wenn man jemandem erzählt, dass man nach Mexiko reisen will (allein, weiblich), wird man leicht entsetzt angeschaut und sein Gegenüber fragt sich vermutlich, ob man gestört ist. Nein, bin ich nicht 😉 und ich will auch nicht sterben, überfallen oder einer meiner Nieren beraubt werden. Mexiko (und ich sage das jetzt allen Ernstes) ist ziemlich sicher für Touristen. Ich will ja gar nicht behaupten, dass es keine Probleme, Kriminalität oder Gefahren gibt, aber ganz ehrlich? Das schlimmste was einem hier passieren wird, ist, dass man fett wird, weil das Essen so lecker ist. Mit ein bisschen Vorsicht und einer Portion gesundem Menschenverstand ist Mexico ziemlich easy zu bereisen; und verdammt cool.

Meine erste Station hieß la Ciudad de Mexico oder kurz CDMX. Mexico City ist eine mega Metropole mit über 20 Millionen Einwohnern im Ballungsraum. Dort habe ich meine ersten anderthalb Wochen zwischen Street-Tacos und Mezcalerien verbracht. Mexico City ist definitiv eine Stadt der Gegensätze. Egal ob schicke Villen in Coyocàn im Vergleich zu den Armenviertel in den Außenbereichen der Stadt oder die Businessmänner und -frauen auf La Reforma  im Vergleich zu den Hipstern in Condesa und Roma.

Man bräuchte vermutlich Jahre und nicht so wie ich Tage, um die ganze Stadt zu erkunden; allein die über 150(!) Museen könnte man vermutlich ein ganzes Jahr lang täglich besuchen. Ich habe mich da eher auf einige wenige beschränkt… der Palacio de Bellas Artes beispielsweise oder das vielgelobte Anthropologiemuseum. Hier wird die Geschichte Mexikos über mehr als 12000 Jahre aufgerollt. Von den ersten Siedlern zu den Hochkulturen der Antike. Jeder indigenen Bevölkerung, egal ob der Teotihuacán nördlich von Mexico City, der Maya im Südwesten des Landes oder der Azteken, die ihre Hauptstadt Tenochtitlán dort errichtet hatten, wo das heutige Mexico City liegt, wurde ein Abschnitt des Museums gewidmet. Und von den Hochkulturen geht es weiter über die spanische Conquista bis hin zur Neuzeit.

Die bewegte Geschichte Mexikos ist überall in der Stadt zu spüren. So muss man nur durch das historische Stadtzentrum wandern und man stolpert fast unvermeidlich über die Ausgrabungen des Templo Mayor. Heiligtum und Zentrum des Universums der Azteken. Die Anlage wurde bis in das 15. Jahrhundert auf einer Insel im See erbaut, der damals die Hochebene beherrschte. Die Spanier haben dann allerdings den See aufgeschüttet und das Wunder antiker Baukunst kurzerhand plattgemacht. Die spanischen Eroberer brachten nicht nur das Ende der Herrschaft der antiken Kulturen über Mexiko, sondern auch zahllose Krankheiten, die den Großteil der indigenen Bevölkerung auslöschte. Es hat noch ein paar weitere Jahrhunderte gebraucht, bis sich die Mexikaner ihre Unabhängigkeit wieder erkämpft hatten und ein weiteres Jahrhundert bis das Mexiko gegründet wurde, wie wir es heute kennen.

Erst vor kurzem wurden neben der Amtssprache Spanisch, 69 indigene Sprachen als Nationalsprachen anerkannt. Was Sinn macht, denn der Großteil der Mexikaner ist sowohl spanischer als auch indigener Abstammung; und stolz darauf.

Doch auch neben der facettenreichen Geschichte, hat die Stadt noch einiges zu bieten. So ist zum Beispiel die Künstlerin Frida Kahlo eine große Ikone Mexico Citys. Ihr ehemliges Wohnhaus, die Casa Azul, wurde nach ihrem Tod zum Museum umbegaut und für Besucher aus aller Welt geöffnet. Es ist kaum vorstellbar, was für eine starke und einflussreiche Frau Frida Kahlo gewesen sein muss, trotz jahrelanger Krankheit. Sie hat über ihre Lebzeiten hinaus eine ungeheure Bedeutung für die Frauenbewegung in ganz Lateinamerika, gerade für Frauen indigener Abstammung. Vor allem aber war sie Künstlerin und ihre Werke sind natürlich auch im Museum zu bewundern.

Mexikos Probleme sind zwar in der Hauptstadt nicht direkt zu spüren, aber doch irgendwie allgegenwärtig. So nimmt man bei Protesten die Unzufriedenheit der Bvölkerung gegenüber der Regierung wahr und auch die 43 Studenten, die vor ein paar Jahren erst spurlos veschwunden und dann grausam ermordet wurden, lassen die Menschen nicht los. Die Studenten waren vermutlich einfach zur falschen Zeit am falschen Ort und sind so zwischen die Fronten der Kartelle und der Regierung gekommen, doch die unzureichende Erklärung der Regierung stellt die Hinterbliebenen natürlich nicht zufrieden.

Und so wandert man an laufenden Demonstationen mit riesigem Polizeiaufgebot vorbei, um in Condesa feiern zu gehen und so unbeschwert man selbst sein mag, ein bisschen surreal ist es schon. Die jungen Leute sind sich der Probleme in ihrem Land zwar sehr bewusst, lassen sich aber keinesfalls davon einschüchtern. Und dann habe auch ich getan, was man so tut, wenn man ganze Tage in der Stadt rumzubringen hat: durch die verschiedenen Viertel und Parks wandern, überall fantastischen Kaffee trinken und lecker Streetfood essen und den Skatern, Musikern und Straßenkünstlern zuschauen. Und in den langen mexikanischen Party-Nächten, egal ob zu populärem Reggaton, klassischem Salsa oder coolem Techno ist Mexico City dann vor allem eins: pure Lebensfreude.

reiseplan(änder)ung

Es kam eben so wie es immer kommt. Also genau so wie man es nicht erwartet.

Zur Erklärung: der ursprüngliche Plan war es mal von Neuseeland nach San Francisco zu fliegen. Dann langsam die Westküste bis nach Vancouver hochtingeln und über diverse Nationalparks wieder nach Kalifornien. Von da an die Ostküste und heim. Nach sechs Wochen zwar wunderschönem aber doch irgendwie kaltem neuseeländischen Wetter, dass mich ein bisschen zu sehr an daheim erinnert hat, hat mich wieder in die Sonne gezogen. Und was gibt’s Sonniges in der Nähe von den USA? Genau, Mexiko. Also habe ich kurzerhand alle Flüge storniert, die ich in und aus den USA hatte. Ab jetzt hieß es freestylen.

Und das ist doch das schöne am planen! Wenn man sämtliche Pläne über Bord wirft und was komplett anderes macht. Denn ganz ehrlich, kein Mensch weiß, wenn er so eine Reise antritt, ob er in einem halben Jahr noch genau das machen will, was ursprünglich mal geplant war. Außerdem (und ich glaube, dass ich das schon mal erwähnt habe) geht es nicht darum alles zu sehen, sondern darum, dass man das, was man sieht, genießt. In vollen Zügen. Und darum mal ganz egoistisch zu sein und tun und lassen was man will. Für die Kontrollfreaks da draußen ist es vermutlich der absolute Horror mal spontan nach Mexiko zu fliegen, aber mir hat der Gedanke Spaß gemacht.

Lange gefackelt habe ich dann nicht und kurzerhand einen Flug nach Los Angeles gebucht. Und wenn man dann schon mal in den USA ist, kann man da auch ein paar Tage bleiben. Das riesige LA war mir allerdings ein bisschen zu viel und ich bin mit dem Bus zwei Stunden die Küste hoch gefahren. Sunny Santa Barbara war meine nächste Adresse. Typisch kalifornisch geht es relativ entspannt zu. Am Stand liegen, Sonne auftanken und die Stadt genießen. Und dann alles wieder zurück. In den Bus, die Küste runter, zum (ziemlich greisligen) Flughafen in LA und auf zu neuen Ufern.

Und jetzt sitze ich hier in Mexiko und realisiere was ich für einen riesigen Fehler gemacht habe. Ich will hier jetzt nämlich nicht mehr weg. Die Menschen, die Musik und das Lebensgefühl Lateinamerikas lässt mich nicht mehr los und ich überlege schon, wo ich sonst noch überall hin will. Costa Rica, Nicaragua, El Salvador, Kolumbien, … Die Liste ist lang. Aber man kann eben leider nicht alles auf einmal machen. Den Rest muss ich mir Wohl oder Übel für die nächste Reise aufheben. 😘

Raglan

Zurück in Auckland! Aufgrund meines ausgezeichneten Talents für’s planen und organisieren, war ich zwar am richtigen Ort für meinen Weiterflug in die USA, aber leider zu früh. Während meiner Zeit in Neuseeland ist mir aber viel Gutes über einen kleinen Ort an der Westküste der Nordinsel zu Ohren gekommen. Raglan ist ein Surferort und trotz der perfekten Wellen, die das ganze Jahr über an die Küste rollen, in der Welt relativ unbekannt. Ein kreativerer Titel als einfach nur Raglan ist mir diesmal leider nicht eingefallen, aber viel Erklärung braucht der Ort  sowieso nicht. Das „Stadtzentrum“ ist im Grunde genommen eine Straße, es ist entspannt, man läuft barfuß durch die Gegend und mit dem Wetter hatte ich trotz neuseeländischem Herbst auch Glück.

Ich hatte vor ein paar Jahren in Australien schon mal ein paar peinliche Surfversuche, aber zum Surfer bin ich damals nicht geworden. Trotzdem hat mich die Herausforderung noch mal gereizt und ich habe in Raglan ein paar Stunden gebucht. Und gleich einen Treffer gelandet! Denn die Jungs von Green Wave Raglan, haben es nicht nur geschafft, dass ich bei meiner ersten Welle aufgestanden bin, sondern geben ihren Gästen auch die Möglichkeit bei ihnen AirBnB-Style zu wohnen. Fantastisches Familiy-Dinner jeden Abend inklusive!

Das coole an Raglan ist, dass die Wellen, von Süden kommend, eine 180° Drehung vollenden bevor sie auf die Küste treffen. Das heißt, dass sie weniger stark sind, als an anderen Stellen an der Westküste und trotzdem in schönen Abständen in die Bucht rollen. Also perfekt für Anfänger wie mich, die keine Lust haben, ständig gegen meterhohes Weißwasser anzupaddeln 😉 Aus den vier Tagen, die ich eigentlich bleiben wollte, wurden dann natürlich mehr und jeden Tag ging es für 3 Stunden raus auf’s Wasser, um besser zu werden und bei stahlendem Sonnenschein zu surfen. Nach elf Tagen ohne Pause tat mir jedes Gelenk und jeder Muskel im Körper weh, aber ich war überglücklich und auch ein bisschen stolz, dass ich mich nicht komplett zum Deppen gemacht habe.

Und wenn wir mal nicht im Meer waren, dann haben wir die Nachmittage beim Pizza-Futtern beim Italiener um die Ecke verbarcht oder denen, die wissen was sie tun, bei einem der Point-Breaks außerhalb Raglans beim surfen zugeschaut. Kitschigen Sonnenuntergang gab’s kostenlos dazu.

Aber auch die schönste Zeit muss natürlich zu Ende gehen und so habe ich nach fast zwei Wochen Abschied genommen. Bing, Zen, Ryan, ihr seid die Besten! Ich werde Raglan, das Meer und die vielen Abende, die wir Gäste mit den drei Jungs bei gutem Essen und viel Wein verbracht haben so schnell wohl nicht vergessen!

Von Fjorden und Pianisten

In Queenstown angekommen, wurde mir dann erst mal schlagartig bewusst, dass Herbst in Neuseeland heißt, dass es kalt werden kann. Sehr kalt. Je näher man an die Antarktis herankommt, desto kälter wird es logischerweise und dass Queenstown im Herzen der Southern Alps liegt, hat auch nicht geholfen. Das alles hat aber der Schönheit des Ortes und vor allem der Umgebung nichts abgetan. Im Gegenteil. Queenstown hat fast schon ein bisschen Alpen Flair; es fühlt sich an wie im Skiurlaub (na gut, zugegeben ist Queenstown doch ein bisschen hässlicher als malerische Schweizer Alpendörfer). Aber mindestens genauso touristisch 😉 Und während meiner Zeit dort hat sich auch die Sonne immer fleißig blicken lassen, was den Blick über den Lake Wakatipu noch beeindruckender werden ließ.

Von Queenstown aus kann man unzählige Trips und Touren unternehmen. Wem’s Spaß macht, kann sich für viel Geld aus Flugzeugen oder hundert Meter hohen Brücken stürzen. Oder man unternimmt eine Tour zu dem berühmten Milford Sound. Da Queenstown aber mitten in den Bergen und Milford am Meer liegt, ging es erst mal fünf Stunden mit dem Bus durch die Gegend. Mit erstem Zwischenstop im kleinen Te Anau und dann ein paar weiteren Stops auf dem Weg, je nach dem wo es noch etwas zu sehen gab. Zum Beispiel die Mirror Lakes. Wobei See hier etwas übertrieben ist. Pfütze passt eher. Aber trotzdem hat es seinen Charme, denn wenn kein Wind geht, sind die Seen spiegelglatt und glasklar und man kann die Spiegelung der Berge im See bewundern.

Und Glück haben darf man auch mal! An einem weiteren Stop, an dem wir eigentlich nur die Aussicht genießen sollten, sind wir nämlich noch in den Genuß von ein bisschen Live-Musik gekommen. Mitten in der Pampa hat der Kerl sein Klavier hingestellt und uns alle mit wunderschöner Musik bezaubert. Und wenn man dann umgeben ist, von der majestätischen Natur Neuseelands, muss man sich einen Augenblick Zeit nehmen, um sich umzuschauen, der Musik und den Vögeln zu lauschen und einfach mal die Klappe zu halten und zu staunen. Und glücklich sein, solche Momente immer wieder erleben zu dürfen.

Nach diesem Erlebnis, war die eigentliche Attraktion Milford Sound (ich trau’s mich kaum zu sagen) fast ein wenig enttäuschend. Aber natürlich trotzdem wunderschön! In dem winzigen Ort Milford angekommen, ging es gleich auf das Boot, um einmal den Fjord entlang zu fahren. Vorbei an hohen, schneebedeckten Bergen und tiefblauem Wasser, ging es Richtung offenes Meer. Zwei drittel des Jahres soll es in Milford angeblich wie aus Kübeln schütten, aber ich hatte Glück und die Sonne hat den ganzen Tag zwischen ein paar Wolken hervorgelacht. Das besondere wenn es regnet ist, dass sich tausende Wasserfälle die steilen Klippen hinunter in den Fjord stürzen. Aber auch wir sind immerhin an ein zwei Wasserfällen vorbeigekommen.

Angekommen an der Öffnung der Meerenge, wurde die See rauer und Wind pfiff uns um die Ohren. Aber jetzt konnten wir einen Blick zurück auf’s Festland werfen. Und plötzlich hat man auch verstanden, warum die ersten Entdecker Neuseeland so oft an Milford Sound vorbeigefahren sind, bis der Fjord entdeckt wurde. Nur eine kleine Öffnung lässt vermuten, dass sich am Horizont nicht nur hohe Berge sondern auch tiefe Seen verbergen.

Nach anderthalb Stunden auf dem Boot fuhren wir wieder in den Hafen von Milford ein. Und dann ging es auch gleich wieder in den Bus, denn es warteten ja noch fünf Stunden Rückweg auf uns. Wer das nötige Kleingeld hat, kann auch bequem per Wasserflugzeug zurückfliegen; lag dann aber doch knapp außerhalb meines Budgets. Gerade weil meine Zeit in Neuseeland ja noch nicht zu Ende war. Nach ein paar Tagen in den Bergen hat es mich wieder an die Küste gezogen und ich bin nach Dunedin gefahren. Dunedin war für mich der südlichste Punkt meiner Reise, so nah an der Antarktis war ich noch nie! Will aber ehrlich gesagt auch nicht viel näher ran kommen. Denn sobald ich in Dunedin aus dem Bus stieg, fing es an zu schütten. Und das blieb dann auch erst mal so. Also habe ich meine Zeit im eigentlich ziemlich coolem Dunedin hauptsächlich zwischen Netflix auf der Couch, heißem Tee und warmen Bikram Yoga Studio verbracht. War aber auch schön.

Nach Dunedin ging es wieder nach Norden, nach Christchurch, von wo aus ich mich in den Flieger zurück nach Auckland gesetzt habe. Christchurch ist nach dem verheerenden Erdbeben 2011 immer noch im Aufbau. Das tut dem Charme der Stadt jedoch nichts ab. Im Gegenteil, die Mischung aus zerfallen, mit Streetart geschmückten Gemäuern und modernsten Bauten aus Glas und Stahl geben Christchurch eine coole Atmosphäre. Und falls sich einer von euch mal nach Christchurch verirrt, kann ich euch den botanischen Garten sehr empfehlen. Da habe ich nämlich meinen Tag bei schönstem Wetter mit slacklinen, spazieren und picknicken mit ein paar Leuten verbracht. Und bald gibt es auch noch das letzte Kapitel meiner neuseeländischen Geschichte. Verspochen!

Auf den Spuren des ersten Entdeckers

Für Jahrmillionen hat kein Mensch einen Fuß auf die Inseln Neuseelands gesetzt. Das Land wurde beherrscht von tiefgrünen Wäldern und einer Vielfalt von Tierarten. Lustigerweise hat Neuseeland tatsächlich keine einheimischen Säugetiere; alle Säugetiere, die heute hier leben, wurden von Einwanderen mitgebracht und werden heute als Pest bekämpft 🙄. Zuvor gediehen Moas (urzeitliche Riesenvögel) ohne natürliche Feinde auf Nord- und Südinsel. Das sollte sich im 13. Jahrhundert ändern, als die ersten Menschen nach Neuseeland kamen. Entdecker und Seefahrer aus Polynesien entdeckten die Insel und ließen sich dort nieder. Mit dem Gedeihen der menschlichen Zivilisation mussten allerdings viele einheimische Tier- und Pflanzenarten aussterben, unter anderem auch die Moas, die von den Vorfahren der heutigen Maori schlicht alle gegessen wurden. Doch es sollte noch weitere 400 Jahre dauern, bis der erste Europäer Neuseeland erblickte.

Der Niederländer Abel Tasman entdeckte im 17. Jahrhundert die Südinsel Neuseelands, setzte allerdings lustigerweise nie selbst Fuß auf die Insel. Tasmans Schiff ankerte ganz im Norden der Südinsel und dort trafen die Europäer auch zum ersten Mal auf die Maori. Die Maori, als die stolzen Krieger, die sie sind, fanden das natürlich alles andere als lustig, dass plötzlich komische weiße Menschen an Land gehen wollten und griffen Tasmans Flotte an. Um einem Großangriff zu entgehen, verließ Tasman Neuseeland daraufhin und nannte die Bucht Mörderbucht (heute hat man die Bucht in den politisch etwas besser besetzten Namen Goldene Bucht umbenannt). Trotz der Fehlgeschlagenen Expedition hat man (neben dem australischen Staat Tasmanien und der Tasmanischen See) in Neuseeland den Tasman-Gletscher, die Tasman Bay und auch den Abel-Tasman-Nationalpark nach dem ersten europäischen Entdecker benannt.

Und eben jener Abel-Tasman-Nationalpark war meine erste Station auf der Südinsel. Vom kleinen Ort Nelson aus, fährt man noch etwa zwei Stunden zum Nationalpark, wo man dann verschiedene und verschieden lange Touren unternehmen kann. Am beliebtesten ist definitiv der Costal Track, der einen einmal an der Küste entlangführt. Bis zu fünf Tage, kann man da entlanglaufen. Wenn man aber so wie ich, keine Lust hat tagelang unterwegs zu sein, kann man auch einfach einen kürzere Tour an einem Tag unternehmen.

Vom kleinen Ort Kaiteriteri aus ging es mit dem Wassertaxi los. Vorbei an Adele Island, einer ganz besonderen kleinen Insel. Denn Adele Island ist einer der letzten Flecken in Neuseeland, in dem nur native Spezies leben. Eine Vielzahl von einheimischen Vogel- und Pflanzenarten tummeln sich hier Seite an Seite mit den Fur Seals (die genau genommen keine Robben, sondern Seelöwen sind) und kleinen Blue Penguins. Vorbei am Split Rock, einem Felsen, der durch Jartausende langes Einfließen und Gefrieren von Regenwasser, einmal in der Mitte durchgebrochen ist.

Und angekommen in Bark Bay, von wo aus ich mich auf den Weg zurück nach Süden gemacht habe. Stunde um Stunde maschiere ich also an der Küste entlangt. Mal durch den Regenwald, mal direkt am Wasser entlang, bergauf, bergab. Und auch wenn’s heiß und wahnsinnig anstrengend war, atemberaubende Ausblicke auf goldene Strände und türkises Wasser, waren es wert.

Und am Ende wartete dann zum Glück der Bus auf mich, der mich zurück nach Nelson gebracht hat. Die nächsten zwei Tage, habe dann noch bei wunderschönem Wetter in Nelson am Strand rumgebracht, bevor ich wieder in den Bus gestiegen bin, um die Westküste entlang zu tuckern.

Neuseelands wilder Westen! Zwischen hohen Bergen und stürmischer See geht’s wohl kaum ursprünglicher oder schöner 😉 Auf dem Weg habe ich kleine Zwischenstopps in Punakaiki, Greymouth und Hokitika gemacht, von wo aus es dann an den südlichsten Punkt der Küstenstraße und über den Haast Pass zu meiner nächsten Station ging. Vorbei an schneebedeckten Gletschern und brausenden Wasserfällen bin ich also nach Queenstown gefahren. Ins geschäftige und adrenalingeladene Herz der Südinsel!

Ein Trip ins Weltall

Es gibt viel zu sehen auf der Nordinsel Neuseelands! Laut der Maori Legende vom Halbgott Maui mit seinem Fischhaken aus dem Meer gezogen, gibt es vor allem für Herr der Ringe Fans einiges zu erleben. Egal ob der Vulkan, der als Vorlage für Mordor gedient hat oder die Hügellandschaft besser bekannt als Hobbiton. Allerdings glaube ich nicht, dass man sich als Hardcore-Fan bezeichnen kann, wenn man wie ich bei allen drei Filmen bei der Hälfte eingeschlafen ist. Also habe ich mir die Eintritts- und Tourgelder für den ganzen Schmarrn gespart. Meine nächste Station hieß somit Rotorua. Wenn man nach ein paar Stunden von Auckland aus, aus dem Bus steigt, fällt einem zunächst mal eines auf: es stinkt. Und zwar nach faulen Eier. Die Gegend um Rotorua ist ausgewöhnlich geothermal aktiv. Was auf der einen Seite fantastische heiße Quellen zum baden mit sich bringt, auf der anderen Seite stinkt’s halt nach Schwefel. An meinem ersten Nachmittag habe ich die Gegend um den See in Rotorua erkundet. Überall blubbert und brodelt es und die Landschaft sieht aus wie aus einer anderen Welt. Dass das Wetter nicht so gut war, hat dann auch gar nicht gestört, im Gegenteil, es hat dazu beigetragen, dass den See eine beeindruckende, fast unheimliche Stimmung umgeben hat.

Am Tag darauf bin nach Wai-o-Tapu gefahren, ein Ort, der ungelogen aus einem Motel und einer Tankstelle besteht. Trotzdem strömen jedes Jahr tausende Besucher dort hin, um das Thermal Wonderland zu besuchen (Scheißname, aber einen Besuch ist es trotzdem wert). Der Park ist nur ein kleiner Teil eines großen Nationalparks in dem es von Geysiren und heißen Quellen nur so wimmelt. Der Schlamm in den Mud Pools ist 60 – 80 Grad heiß und lädt daher nicht unbedingt zum Baden ein; das sprudelnde Wasser und der Dampf sind sogar noch heißer.

Neuseeland liegt genau auf der Grenze zweier tektonischer Platten, was für die Inseln eine hohe vulkanische Aktivität und regelmäßige Erdbeben bedeutet, was vor allem Christchurch auf der Südinseln immer wieder schmerzhaft zu spüren bekommt. Die Quellen um Wai-o-Tapu sind durch die Aktivität des Vulkans Taupo vor etwa 160.000 Jahren entstanden, doch faszinieren heute noch. Die Pools sind dadurch zustande gekommen, dass sich eingestürzte Krater mit Wasser gefüllt haben. Unter der Erde liegt ein System aus von Magma erhitzen Strömen (deshalb ist es da überall so heiß). Mineralien aus verschiedenen Gesteinsschichten werden von diesen Strömen an die Oberfläche gebracht, wo sie mit unserer Atmosphäre reagieren und die ganzen hübschen Farben hervorbringen. Der Schwefel stinkt also nicht nur sondern färbt den Untergrund auch gelb, Eisen ergibt rot, Magnesiumoxid lila, und so weiter.

Und dann schlendert man an knallorangenen Steinen und neongrünem Wasser vorbei und fragt sich, ob man noch auf der Erde ist oder schon im Weltall. Eingerahmt sind die Seen, wie alles in Neuseeland, von tiefgrünen Wäldern und (zumindest wenn das Wetter mitspielt) strahlend blauem Himmel.

Nach Rotorua hat es mich aber in den Süden gezogen. Mit Zwischenstop in der Hauptstadt Wellington und einem kurzen Besuch im fantastischen Nationalmuseum Te Papa, hab ich mich auf die Fähre begeben und bin übergesetzt auf die Südinsel. Was es dort zu sehen gab? Dazu mehr in der nächsten Ausgabe von Lotti reist 😉

Wochenende, Wein, Waiheke

Endlich in Neuseeland angekommen! Endlich so weit weg von zu Hause wie möglich 😉 Versprochen wurde mir ja vieles vor meinem Reiseantritt zu den Kiwis. Was gleich auffällt ist, dass die Neuseeländer wahrscheinlich die freundlichsten und hilfsbereitesten Menschen der Welt sind und auch von der hoch gepriesenen Schönheit der Landschaft sollte ich mich in den folgenden Wochen überzeugen können. Nach meiner Ankunft in Auckland (Großstadt, nicht so wiiirklich viel zu sehen), habe ich mein erstes Wochenende in Neuseeland auf Waiheke Island verbracht. Nur etwa eine Stunde mit der Fähre vom Festland entfernt, ist es ein kleines Paradies weg von der lauten Großstadt. Und ein fantastischer Vorgeschmack auf die wunderschöne Natur in Neuseeland; egal ob hoch oben auf den sanft rollenden Hügeln oder unten am plätschernden Meer, den Wind um die Nase. Viel zu tun gibt es nicht, ist aber nicht weiter schlimm. Denn langsam mit dem Bus um die Insel tuckern oder in der Sonne am Stand liegen, hat auch seine Vorzüge.

Und dann ist Waiheke natürlich auch noch bekannt für fantastischen Wein! Also hab ich mich auf den Weg gemacht und habe zu Fuß die Insel erkundet (mit anderen Worten, bin von Weingut zu Weingut gelatscht). Es gibt einen kleinen Wanderweg durch die Weinreben und Olivenhaine, vorbei an Bächen und Lamas, die in der Sonne glühen. Leider konnte ich unmöglich bei jedem Gut Halt machen, das hätten weder mein Geldbeutel noch meine Leber mitgemacht. Aber ein Glas habe ich mir dann doch gegönnt.  In Anbetracht der Tatsache, dass es doch relativ heiß war und ich noch den Hügel zum höchsten Punkt der Insel hoch wollte, habe ich es dann aber bei einem Glas belassen.

Doch den Hügel hoch zu laufen hat sich auf jeden Fall gelohnt! Allein schon für einen Blick wie diesen:

Angeblich ist Waiheke Island der meistbesuchte Ort in Neuseeland, aber wenn man wie ich den neuseeländischen Sommer auslässt und in der Zwischensaison anreist, hat man die Insel fast für sich 😉 Und die Locals freuen sich auch, wenn es mal ein bisschen ruhiger zugeht. Und wenn nicht so viel Gäste da sind, dann hat auch der Besitzer des Hostels mal Zeit sich mit seinen verbliebenen Gästen in den Garten zu setzen, zu quatschen, zu essen und (natürlich) zu trinken. Dann hieß es leider viel zu schnell wieder Abschied nehmen von der Insel und zurück auf’s Festland, von aus es weiter ging. Immer gen Süden! (Was in Neuseeland leider nicht heißt, dass es wärmer wird. Eher kälter.)

unter den maulbeerbäumen

Nach Melbourne habe ich mich (mal wieder) in den Bus gesetzt und bin die Küste hoch nach Adelaide gefahren. Glücklicherweise konnte ich wieder bei meiner Gastfamilie wohnen und die Wiedersehensfreude war auch groß. Es war schon ein bisschen komisch nach fast drei Jahren wieder in der Stadt zu sein in der man mal neun Monate gelebt hat. Ich konnte mir zum Beispiel keinen einzigen Straßennamen merken, habe mich aber problemlos in der Stadt zurechtgefunden. Ständig habe ich mich an bestimmte Tage und Ereignisse zurückerinnert und ein Deja-vu jagte das nächste.

Der Plan war eigentlich nur ein paar Tage zu bleiben, aber es war dann zu schön und zu praktisch (kostenlose Unterkunft und lecker Essen😉), um nicht doch noch ein bisschen länger zu bleiben. Außerdem war zu der Zeit das Fringe Festival in vollem Gang! Angefangen hat das ganze vor Jahren als Nebenakt zum Adelaide Festival, als Möglichkeit für weniger bekannte Künstler sich auszuprobieren und vor kleinerem Puplikum aufzutreten. Doch mit der Zeit hat das Fringe immer mehr Liebhaber gewonnen und mittlerweile ist es ein vier-wöchiges Festival zu dem renommierte Künstler aus der ganzen Welt kommen. Schon als ich als letzte Mal in Adelaide war, war das Fringe eines der Highlights (damals hatte ich sogar die Möglichkeit selbst mit meiner Schule dort aufzutreten!). Dieses Mal habe ich mich eher aufs Zuschauen verlegt, was aber auch unfassbar viel Spaß gemacht hat. Nachmittags und abends haben wir uns also hin und wieder eine Show angesehen oder haben einfach das gute Essen und die Drinks im Garden of Unearthly Delights oder im Royal Croquet Club genossen.

Das Wochenende über wollten wir aber raus aus der Stadt und da traf es sich gut, dass der Freund meiner Gastmutter ein paar Stunden außerhalb von Adelaide eine Farm besitzt. Maria (meine Gastmutter) hat Izzy (eine meiner Gastschwestern) und mich am Freitag abends ins Auto gepackt und wir sind die drei Stunden die Küste runter gefahren. Gewohnt haben wir nicht direkt auf der Farm sondern am Strand im kleinen Ort Kingston. Doch gleich am Samstag morgen ging es los aufs Land.

Nur zehn Autominuten vom Strand entfernt liegt die (riesige, aber für australische Verhältnisse ziemlich kleine) Farm auf der hunderte Rinder und Schafe gehalten werden. Die Schafe werden zweimal jährlich geschoren, die Wolle kiloweise verkauft und sonst genießen sie das Leben in der australischen Sonne im Schutz ihrer Herde.

Die Rinder kommen da nicht so gut weg. Sobald eine Kuh nicht schwanger geworden ist, kommt sie in den Burger. Die anderen kümmern sich um ihre Kälber und wir hatten sogar das Glück ein gerade mal ein paar Stunden altes Kalb mitsamt Mama zu sehen.

Immer in Begleitung von Hofhund Oggi haben wir den ganzen Tag lang die verschiedenen Herden besucht und sind dann zurück auf den Hof gefahren um schnell noch ein bisschen Obst und Gemüse fürs Abendessen zu pflücken. Schnell ging dann aber gar nichts, denn wir haben eine halbe Ewigkeit unter dem Maulbeerbaum im Garten vertrödelt. Doch während Maria und ich fleißig Maulbeeren für den Nachtisch gepflückt haben, hat sich Izzy eher darauf spezialisiert so viele Beeren wir möglich zu essen. Am Ende, von Kopf bis Fuß in blutrotem Saft, sahen wir aus als ob wir jemanden umgebracht hätten.

Müde, aber glücklich sind wir daheim angekommen und haben bei einem (oder zwei) Gläsern Wein Karten gespielt. Währenddessen war der Braten schon im Ofen und musste nur gegessen werden. Und was gab’s? Lamm. Aus eigener Haltung! Habe aber selten so gutes Lamm gegessen.

Am nächsten Tag waren dann die Heimwerker unter den Urlaubern gefragt. Da Marias Freund gerade erst in das neue Haus gezogen war, gab es noch viel zu erledigen. Und so sind wir am Sonntag mit Eimern und Pinseln dem alten Zaun zu Laibe gerückt. Zufrieden mit unserer Arbeit und mit dem Blick auf einen neuen, hübsch blauen Zaun, haben wir uns abends ein Glas Wein gegönnt (alle außer Izzy natürlich, zwölf ist dann vielleicht doch ein bisschen zu früh) und haben es uns im Whirlpool gemütlich gemacht.

Am Sonntag Abend mussten wir leider schon wieder Abschied und die Fahrt zurück auf uns nehmen. Nach dem Wochenende habe ich noch ein paar Tage in Adelaide verbracht, bis es wieder zurück nach Melbourne ging. Und dann? Auf zu neuen Ufern! Nach Neuseeland 🙂

Ein perfektes Wochenende

Um zu erklären wie diese Geschichte zu Stande gekommen ist, muss ich ein bisschen weiter ausholen… Als ich im September auf der Wiesn gearbeitet habe, habe ich mich (nicht ganz uneigennützig) mit einigen Australiern und Kiwis angefreundet. Freunde am anderen Ende der Welt bedeutet nämlich manchmal auch eine kostenlose Unterkunft am anderen Ende der Welt 😉 Und ein Kontakt hat tatsächlich die ganzen Monate überdauert bis ich in Melbourne gelandet bin. Und so kam es, dass ich eine Woche lang bei Murrays Bruder in Melbourne wohnen konnte. Auf der Couch. In einer Jungs-WG. Aber für umsonst.

Murray selbst musste die Woche über arbeiten und ich mich eigenständig beschäftigen. Ist aber nicht allzu schwer in einer so coolen und aufregenden Stadt wie Melbourne. Überall gibt es kostenlose Museen und Veranstaltungen und egal ob ein Spaziergang durchs hippe Fitzroy oder Entspannen im Botanischen Garten, irgendetwas gibt es immer zu tun. Am Wochenende wollten wir dann aber doch gemeinsam etwas unternehmen und so haben wir am Samstag ein riesen Picknick zusammengepackt und haben den Tag gemütlich im Park verbracht. Lesen, essen, quatschen und das in den wunderschönen Fitzroy Gardens.

Am Sonntag sind wir auf ein kleines Abenteuer zur Mornington Peninsula aufgebrochen. Man muss zwar fast zwei Stunden Fahrt auf sich nehmen, aber die Strände sind es, im Vergleich zu den nicht sooo besonderen Stadtstränden, allemal wert. Und für uns durfte es natürlich auch nicht nur das plätschernde Wasser auf der Seite der Bucht sein, sondern der wilde Ozean auf der anderen Seite der Halbinsel. Nach genügend Entspannung am Strand und Abkühlung im Meer, sind wir losgezogen um die etlichen Pools und Höhlen in den Felsen zu erkunden. Fast wie im Whirlpool, fehlt nur der Cocktail.

Geformt von Wind und Wasser sieht die Landschaft fast aus wie aus einer anderen Welt. Und da wo die Wellen direkt auf die Felsen brechen und einem die untergehende Sonne ins Gesicht scheint, da bekommt man das Lebensgefühl Australiens immer noch am besten vermittelt.

Melbourne war wie immer einen Besuch absolut wert und so viel wie die Stadt zu bieten hat, wird sie auch nie langweilig. Ich hatte ein wunderschönes Wochenende als perfekten Abschluss einer tollen ersten Woche zurück in Australien.