Koh Lanta, my love

Ich bin euch ja noch eine Erklärung schuldig, warum ich erst groß ankündige nach Thailand zu fliegen und dann erst mal fröhlich von Bali erzähle. Mitte Januar hab ich auf den Weg gen Süden gemacht, um die asiatische Karibik (aka Thailand) zu erkunden. Sooo viel hatte ich vor: von Phuket nach Phi Phi nach Koh Lanta und über nach Koh Mook nach Koh Lipe. Dann war mir Phuket aber irgendwie zu viel, daraufhin habe ich mir die Party Insel Phi Phi gleich gespart und bin auf Koh Lanta hängen geblieben. Und wenn ich hängen geblieben sage, dann meine ich nicht Tage, sondern Wochen…

Das Chill out House am Long Beach wurde für insgesamt fast drei Wochen zu meiner Heimat und die Voluntäre im Hostel zu Freunden fürs Leben (oder zumindest für eine ganze Weile 😉). Ich bin selten so glücklich gewesen wie auf dieser Insel und ich habe echt lange überlegt, ob ich einen Blogpost zu Koh Lanta schreiben soll oder nicht. Auf der einen Seite werde ich die Wochen dort sowieso nie vergessen, auf der anderen Seite war es ein so großer Teil von meiner Reise, dass es sich komisch angefühlt hätte, es nicht zu erwähnen. Auch Fotos gibt’s leider nicht viele (zumindest nicht viele, die ich in der Öffentlichkeit zeigen kann), aber ich hab die Zeit einfach genossen ohne ständig Tourist zu sein.

Also lasst mich euch erzählen von den vermutlich besten Wochen meiner Reise:

Vom ersten Tag an wurde ich willkommen geheißen, als ob wir uns alle schon seit Jahren kennen würden. Von da an wurde der Spaß nur noch größer, die Shithead-Turniere ernster und alle ein bisschen betrunkener. Kein Sorge, ich werde euch nicht mit jedem einzelnen Tag langweilen; für euch gibt’s nur die Zuckerl, die Highlights. Zum Beispiel gab es da eine Yacht, die ausnahmslos jedes Jahr zur gleichen Zeit vor der Küste geankert hat. Ein bisschen unfair, dass die eine Yacht haben und wir nicht, haben wir uns gedacht. Also haben wir uns eine Kühltruhe mit Bier und Pad Thai geschnappt, sind rausgeschwommen und haben mal nett gefragt, ob wir nicht ein bisschen auf dem Boot mitfeiern dürfen. Und die Besitzer waren tatsächlich einverstanden! Wir haben uns natürlich wahnsinnig gefreut, dass die Schnappsidee geklappt hat und konnten vor Euphorie gar nicht mehr aufhören zu reden und zu lachen. Mission Yacht entern war ein voller Erfolg.

 

Am nächsten Tag war klar, dass das kaum zu toppen ist, aber einen schönen Tag wollten wir uns trotzdem machen. Also haben wir das ganze Hostel zusammengetrommelt und sind mit Rollen ein bisschen über die Insel gecruist. Durch den Wald und am Stand entlang ins alte Stadtzentrum zum Mittagessen. Gestärkt ging es weiter zum Secret Beach (der mittlerweile nicht mehr ganz so secret ist). Aber dafür umso schöner! Um zum Strand zu kommen muss man erst eine Klippe runterkraxeln (hört sich komplizierter an als es ist). Belohnt wird man aber mit einer kleinen, geschützten Bucht, weichem Sand zwischen den Zehen und türkisem, glasklaren Wasser. Dort saßen wir am Strand, sind schwimmen gegangen und haben die Seele ein bisschen baumeln lassen, bis es Zeit war wieder zurück zu fahren. Damit war der Tag aber noch lange nicht zu Ende. Bei Sonnenuntergang ne Flasche Tequila gekillt, das lokale Bier-Angebot durchprobiert, skinny dipping und der Rest war Geschichte.

Erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht, wenn man den ganzen Tag nur Disney Filme schaut, Shithead spielt und sich auf das besinnt, was man mit neunzehn und ohne Verpflichtungen am besten kann:

 

Und dann stand mein Flug nach Bali plötzlich bevor und ich war alles andere als bereit. Doch der Flug war gebucht und vor allem bezahlt und deshalb bin ich schweren Herzens aufgebrochen und habe die Insel nach zwei Wochen verlassen. Nach einer Woche Detoxen im wunderschönen Ubud, Bali war mir aber klar, dass ich zurück muss. Und wann, wenn nicht jetzt, habe ich die Chance so spontanen Schmarrn zu machen, wie für eine weitere Woche mal eben zurück nach Thailand zu fliegen. Gesagt, getan, Flug gebucht. Und die eine Stunde Schlaf, die ich in der Nacht am Flughafen in Kuala Lumpur bekommen habe, war es allemal wert!

Zufällig hatte am Tag meiner geplanten (und bis dahin auch geheimen) Wiederkehr einer der Voluntäre Geburtstag. Das heißt, doppelter Grund zu feiern und das ließen wir uns nicht zwei mal sagen. Also haben wir alle Vorkehrungen für ein Lagerfeuer am Strand getroffen. Wir haben Fisch und Gemüse gegrillt und es krachen lassen. Ich habe relativ früh schlapp gemacht, was wohl an der bereits erwähnten Stunde Schlaf in der Nacht zuvor gelegen haben könnte. Aber Zeit zum entspannen hat man im Chill out House ja zum Glück genug. Und dann habe ich noch mal das Inselleben in vollen Zügen genießen können. Zwischen dem wohl besten Pad Thai der Welt von Pom und sich mit einem pinken Flamingo und einem Bier bewaffnet im Meer treiben lassen, lässt es sich wirklich leben.

Doch auch die schönste Woche muss zu Ende gehen, aber nicht bevor wir noch mal irgendwas Verrücktes gemacht haben. Zum Beispiel: morgens um sechs Superbowl in Thailand schauen. Nicht, dass ich mich großartig (oder überhaupt) für Football interessieren würde, aber wenn man diverse Amerikaner und einen professioniellen Footballer im Hostel hat, dann überlegt man nicht zweimal, ob man morgens um fünf aufsteht, um das Spektakel anzuschauen. Zu Sonnenaufgang sind wir also losgezogen; ein paar vor Vorfreunde kaum zu haltende Amerikaner und ein paar andere, die noch schnell in die Regeln eingewiesen wurden. Um sechs Uhr morgens gab’s dann das erste Bier und dementsprechend lustig war’s zum Ende des Spiels. Zum Höhepunkt der Party irgendwann um Mittag rum, habe ich mich dann schnell aus dem Staub gemacht. Ein tränenreicher Abschied pro Hostel reicht. Aber traurig war’s trotzdem…

Ich weiß nicht, ob ich es irgendwie geschafft habe, in Worte zu fassen, wie sich Koh Lanta anfühlt. Wie lustig, frei und sorglos. Ich hoffe, dass ich noch mal die Möglichkeit haben werde, nach Koh Lanta zurückzukehren und dass mich die Menschen, die ich dort getroffen habe, noch ein bisschen begleiten werden. Matt, Franco, Vanessa, Luke und Amy, Oskars, Georgia und Aiden, Stacey und Roy und alle anderen; ich kann euch nicht genug danken für die Zeit auf der Insel!

Ich glaube wirklich, dass jeder Ort auf der Welt besonders schön (oder auch besonders enttäuschend) sein kann, worauf es ankommt, sind die Menschen auf die man trifft. Und jeder einzelne berührt und formt einen ein bisschen. Ich denke unfassbar gerne an meine Zeit auf Koh Lanta zurück und habe viele glückliche Erinnerungen auf meine Reise mitgenommen.

So jetzt aber genug mit dem Gefühlsgedusel! Bald gibt’s wieder Neues und zwar aus Australien und Neuseeland. Versprochen 😉

balinese adventures 2: chillin‘ in gili

Bei insgesamt über 17.000 Insel in ganz Indonesien hat man leider die Qual der Wahl und von dem Gedanken alles zu sehen, kann man sich gleich verabschieden. Von Bali aus ist es aber nur ein Katzensprung nach Lombok und von da aus auf die Gili Islands. Viel gelobt und hoch gepriesen musste ich mir das natürlich selbst anschauen. Es stand zur Auswahl: Gili T – für alle, die 24 Stunden am Tag betrunken und high sein wollen (eher nicht mein Fall), Gili Meno – für alle frisch Verliebten und Verheirateten (auch nicht) und dann noch Gili Air – entspannt und genau das Richtige für mich.

Die Insel umrundet man zu Fuß in etwa einer Stunde und  Autos und Roller sind hier Fehlanzeige, alles wird mit der Pferdekutsche oder mit dem Fahrrad erledigt. Ein kleines Paradies und eine schöne Abwechslung vom wuseligen Bali. Und dann habe ich meine Tage mit lesen, am Strand liegen und ein bisschen im Wasser plantschen verbracht… Die Strände sind fast wunderschön (und dank der Nebensaison auch ziemlich leer) und wer keine Angst vor Seegras hat, kann auch ganz entspannt im badewannenwarmen Wasser schwimmen. La dolce far niente.

Und wenn das süße Nichts-tun irgendwann mal langweilig wurde, haben wir mit einer von gefühlt 30 Katzen im Hostel gespielt oder stundenlange Cards against Humanity Turniere ausgetragen. Der perfekte Urlaub vom Urlaub!

balinese adventures

Aufmerksame Leser werden bemerkt haben, dass ich in meinem letzten Blogpost davon gesprochen habe nach Thailand gereist zu sein. Bin ich auch, dazu später mehr. Zuerst will ich euch aber von Bali erzählen.

Von Bali hört man ja so einiges: von Inselparadis über weibliche Mittvierziger in einer existenziellen Krise bis hin zu dauerbesoffenen Australiern hat die Insel eigentlich alles zu bieten. Darum ist hier die richtige Lage wichtiger als sonst irgendwo. Meine erste Station war Ubud, spirituelles Zentrum der Insel. Umgeben von veganen Hippies mit Millionen-Anwesen und eben jenen weiblichen Mittvierzigern, die Eat, Pray, Love einmal zu oft gelesen haben, habe ich eine Woche entspannt, mal ein bisschen Abstand vom Alkohol gehalten und viel Yoga gemacht.

Ich habe mich ein bisschen aus dem Stadtzentrum zurückgezogen, um meine Ruhe zu haben und das Ubud Yoga Center wurde zu meiner neuen Heimat. Viel weniger überlaufen als die berühmt berüchtigte Yoga Barn und wunderschön mitten in der Natur gelegen (und das Essen im Cafè ist auch seeehr gut). Und nach ein bisschen Übung habe ich es auch durch anderthalb Stunden Bikram Yoga (sehr heißer Raum, sehr anstrengend) geschafft, ohne den Kopf zwischen die Knie nehmen und das Gefühl zu haben mich gleich übergeben zu müssen. 😅

Um ein bisschen rauszukommen, habe ich mir einen Roller und jemanden der ihn fahren konnte geschappt und wir haben die Gegend um Ubud erkundet. Durch Reisfelder zu einem Wassertempel, der um eine heilige Quelle errichtet wurde. Peinliche Geschichte hier: nach fast vier Monaten in Südostasien und vermutlich 10kg Reis, die ich bis dahin gegessen habe, habe ich mir bis Bali nie Gedanken darüber gemacht, wie so ne Reispflanze aussieht… Aber jetzt weiß ich es ja zum Glück: der Reis wächst in der überschwemmten Erde am Ende der grünen Büschel, die aus dem Boden rausschauen.

In dem Wassertempel kann man tatsächlich auch Baden gehen, aber auch wenn wir uns auf eine Erfrischung gefreut hätten, haben uns die Menschenmassen, die bereits im Becken standen doch ein weeenig abgeschreckt. Für die buddhistischen Balinesen ist das natürlich nicht nur ein Planschbecken, sondern Teil einer Zeremonie und des Gebets, das nach der Reinigung abgehalten wird. Das Wasser im Becken kommt nämlich direkt von den heiligen Quellen, die sich faszinierend grünlich-schimmernd im Zentrum des Tempels befinden.

Zurück in Ubud habe ich mich wieder auf meine 2x täglich Yoga/gesund leben Routine besonnen. Im Studio habe ich zwei wunderbare Mädels aus Irland getroffen mit denen ich abends meistens unterwegs war; zum Beisiel im ersten (und ich glaube einzigen) veganen Kino. Ja, so was gibt’s. Super leckeres veganes Essen direkt ans Sofa vor der Leinwand serviert.

Meine zweite Station in Bali war Canggu. Vor zwei Jahren noch ein Kaff mitten im Nirgendwo und geheimer Surf-Spot, doch mittlerweile ziemlich coole Stadt mit einem Cafè, Club und Hostel nach dem anderern. Doch die Surf und Skate Szene ist immer noch allgegenwärtig und dann habe ich gemacht, was man halt so macht in Canggu: morgens surfen (oder in meinem Fall meistens denen die es drauf haben zuschauen), mittags ausruhen, abends feiern, nachts schlafen und dann alles wieder von vorn.

(das obligatorische mit-dem-Rücken-zur-Kamera-am-Pool-sitzend-Photo stellt ihr euch bitte ohne die drei komischen Typen im Hintergrund vor)

Im Hostel habe ich dann einen Saufkumpel vor dem Herren getroffen und zusammen haben wir das Inselleben genossen, sind durch die Strandclubs gezogen und haben, naja, getrunken. Verantwortungsvoll natürlich. Und dann muss man sich natürlich den ganzen Tag über schwerwiegenden Entscheidungen stellen. Will man lieber am Strand liegen oder am Pool? Lieber Bier oder Cocktails? Will man über die Insel cruisen oder doch lieber den ganzen Tag die Hunde im Hostel durchkraulen? Ach, das Leben ist hart in Bali… und ich vermisse es!

und dann ging’s weiter in Myanmar

und zwar nach Mandalay! Und kaum zwei Monate später kann mich auch dazu überreden tatsächlich mal darüber zu schreiben. Nicht, dass ich so furchtbar viel zu tun gehabt hätte, ich hatte einfach keine Lust. 😉

Es ging hoch den Irrawadi, nach Mandalay. Die alte Königsstadt Myanmars hat heutzutage nicht mehr so viel zu bieten wie vielleicht noch vor hundert Jahren (zu empfehlende Begleitlektüre ist hier definitiv „Glaspalast“ von Amitav Ghosh), aber gesehen haben sollte man es trotzdem. Wenn man schon mal in Myanmar ist. Man kann sich natürlich den Königspalast anschauen, wenn man gerne viel Eintritt zahlen und dann zur Belohnung seinen Pass am Eingang abgeben möchte. Da bin ich dann lieber den Hügel hoch und habe mich dem Blick (und einem fantastischen Sonnenaufgang) über die Stadt begnügt.

Um an das eigentliche Ziel meiner Weiterreise, den Inle See, zu gelangen, musste ich aber erst noch einmal eine achtstündige Busfahrt auf mich nehmen. Berg auf, Berg ab, die Hälfte kotzt, ich zum Glück nicht, toll. Aber der See war es alle mal wert. Wohnen kann man im verschlafenen Nyaung Shwe am Nordende des Sees und von dort aus zu verschiedensten Touren aufbrechen. An meinem ersten Tag haben wir uns ein paar Fahrräder geschnappt und sind um die Nordspitze des Sees geradelt. Nach etwa einer Stunde Fahrt wurde uns das ganze aber doch ein wenig zu anstrengend und wir haben die Abkürzung per Boot über den See genommen.

Das heißt, Fahrräder ins Boot gepackt, wir vier glücklichen Deppen dazu und los geht’s. Als uns dann aber einfiel, dass der See in der Trockenzeit selbst an der tiefsten Stelle nur etwa 1,5m tief ist, ist uns klar geworden, dass wir uns das Geld für das Boot hätten sparen können. Hätten ja auch einfach laufen können 😅

Auf der anderen Seite angekommen, sind wir wieder auf die Räder gestiegen und (mittlerweile ziemlich fertig) weitergefahren. Doch so anstrengend es auch war, belohnt haben wir uns mit dem Sonnenuntergang und einem Glas Wein in einem von zwei (!) Weingütern in ganz Myanmar. Kleine Randnotiz hier: Wein aus Myanmar hört sich zwar sehr besonders an, ist er aber nicht. Schön war’s trotzdem.

Der Abend wurde von da an nur noch feucht fröhlicher, was wir am nächsten Morgen, nach ganzen zwei Stunden Schlaf, dann aber doch irgendwie bereut haben… Es ging nämlich früh weiter. Myanmar scheint für mich das Land der Sonnenaufgänge zu sein! Und natürlich habe ich mir den auch über dem Inle See nicht entgehen lassen.

In einer Nacht und Nebel Aktion sind wir also frühmorgens aufgestanden und auf den See hinausgefahren. Durch schwimmende Dörfer und Schilf hindurch aufs Wasser. Bis die Sonne vorsichtig hinter den Bergspitzen hervorschaute und uns, durchgefroren wie wir waren, ein bisschen aufwärmte. Mit den ersten Sonnenstrahlen sah man auch die Fischer für die der See so berühmt ist. Auf einem Bein balancierend, mit dem anderen das Boot steuernd, holten sie ihre Netze ein, um zu sehen wie der Fang ausgefallen ist.

Danach haben wir uns noch ein paar weitere Highlights in der Umgebung angeschaut. Ein schwimmender Markt und eine Pagode durfte natürlich auch nicht fehlen. Das Besondere an der Shwe Inn Thein Pagode sind die über 1000 Stupas die das Herzstück umgeben. Reichlich geschmückt in Gold und verziehrt mit hunderten kleiner Glöckchen, die zart im Wind läuten. Und wer will, kann dem Kloster eine Stupa spenden, die dann kurzerhand mit einer persönlichen Widmung versehen ebenfalls auf dem Gelände aufgestellt wird.

Am Tag darauf ging meine Zeit in Myanmar leider zu Ende und ich bin über Mandalay weiter nach Thailand gereist. Doch ich kann kaum in Worte fassen, wie sehr ich mich in dieses wunderschöne Land verliebt habe. Die Freundlichkeit und Offenheit der Menschen dort ist etwas ganz besonderes. Und so schade es ist, dass ein einst so reiches, prächtiges Königreich so lange vor der Öffentlichkeit verschlossen blieb, so schön ist es für alle Reisenden jetzt, das Land endlich erleben zu können. Und zwar ohne sich ständig durch Touristenmassen zu schieben. Doch es gibt in Myanmar noch so viel mehr zu entdecken und vielleicht schaffe ich es eines Tages ja zurückzukommen…

1001 Pagode

Bangkok, Yangon, Ngapali, Yangon… die Reise geht weiter. Angekommen in Yangon, haben wir uns vormittags aufgemacht, um die Stadt zu erkunden und einige der alten, langsam zerfallenden Kolonialbauten zu sehen. Schnell haben uns aber die abartigen Temperaturen wieder ins Hotel getrieben, wo wir erst mal geblieben sind, bis es nachmittags (wenigstens ein bisschen) kühler wurde.

Dann ging es auf zum wohl größten Goldklotz der Welt 😉 besser bekannt als die Shwedagon Pagode. Der Legende nach wurde die Pagode bereits vor dem Tod des Buddha Siddhartha Gautama errichtet, ganz genau weiß das aber keiner. Jedenfalls ist sie bis heute religiöses Zentrum Myanmars und Yangons größte Touristenattraktion. Den warmen Boden unter den nackten Füßen und den Geruch von Räucherstäbchen in der Nase sind wir durch die Pagode geschlendert. Leise erklingen immer wieder Glockenschläge.

Aber nicht nur Touristen tummeln sich um die goldene Stupa. Viele Buddhisten aus Myanmar und ganz Asien besuchen die Pagode jedes Jahr, um sich auf ihre Religion zu besinnen. Um die Stupa herum stehen acht verschiedenen Buddha- Statuen; eine für jeden Wochentag (der Mittwoch wurde kurzer Hand zweigeteilt). Je nach dem an welchem Wochentag man geboren wurde, betet man zu einem anderen Buddha und begießt seine Statue mit Wasser.

Doch auch wenn die Shwedagon Pagode die erste war, die wir besichtigt haben, war es mit Sicherheit nicht die letzte. Nach der Silvesternacht ging es am nächsten morgen früh los; und zwar nach Bagan.

Die Ebene in Zentral-Myanmar ist berühmt für die tausenden Pagoden und Tempel, die sich auf ihr tummeln. Und natürlich haben auch wir uns nicht den Sonnenaufgang über Bagan entgehen lassen. Hierzu kann man entweder ein kleines Vermögen für ne Stunde im Ballon liegen lassen oder einfach für 5€ auf den Aussichtsturm. Die Sicht ist dieselbe 😉 und zwar atemberaubend. Wenn morgens noch der Nebel in den Bäumen hängt und sich gerade so die ersten Sonnenstraheln ihren Weg durch die Nebelschleier bahnen, dann sind die Pagoden und Tempel definitiv am schönsten.

Warum genau beinahe sämtliche religiöse Stätten an genau dieser Stelle errichtet wurden weiß man nicht, aber es gibt eine witzige Geschichte zur Wahl des Ortes, wenn man eine neue Pagode errichten will. Man nehme: einen weißen Elefanten und schmücke ihn reichlich. Dann lasse man eben jenen Elefanten auf der Ebene frei und wo auch immer er stehen bleibt, da wird die Pagode gebaut.

Dann aber hat mich meine Bagan-E-Bike-Gang leider wieder verlassen müssen… Während meine Mama und mein Bruder wieder zurück in die Heimat geflogen sind, bin ich weiter nach Mandalay.

Bangkok, Ngapali

Weihnachten am Strand kannte ich ja schon aus Australien, aber ein bisschen vermisse ich die Kälte, die Christkindlmärkte und den Glühwein doch immer. Ohhh und die Plätzchen! Aber die Feiertage in der Sonner zu verbringen hat durchaus seinen Reiz (obwohl es dieses Mal leider keine surfenden Weihnachtsmänner gab…)

Aber bevor es nach Myanmar zum Ngapali Beach ging, wurde Heiligabend erst mal gemeinsam mit der Familie (naja zumindest zwei davon) in Bangkok gefeiert. Auf dem Rooftop im Breeze gab’s lecker Essen und einen Wahnsinnsblick als  Geschenk obendrauf.

Danach hieß es: auf in den Flieger und ab an’s Meer nach Ngapali. Von da an haben wir uns fünf Tage am Stand entspannt und abwechselnd im Halbschatten gelesen und in der Sonne gebruzelt. Um sich ein bisschen von dieser Anstrengung zu erholen, haben wir uns zwischendurch mit frischen Kokosnüssen gestärkt und abends einen Sundowner zum Sonnenuntergang genossen. In den unzähligen, kleinen Strandrestaurants gab es jeden Abend Seafood und Fisch zum niederknien. Direkt aus dem Meer auf den Teller!

Der Strand war wirklich wunderschön! Weicher Sand zwischen den Zehen, blaues, klares Wasser, Fischerbote die gamächlich in der Ferne auf dem Meer dümpeln. Und für asiatische Verhältnisse kaum Müll 😉

Ach ja, und hatte ich die fantastischen Sonnenuntergänge erwähnt?

Der Zauber des Nordens: Ha Long

Es gibt bestimmt eine ganz einfache, logische, wissenschaftliche Erklärung wie diese berühmte Bucht im Norden Vietnams entstehen konnte… Doch die Legende erzählt eine andere (und viel schönere!) Geschichte. Wie bei Pho (der traditionell vietnamesischen Nudelsuppe) gibt es auch bei der Legende vermutlich so viel Varianten, wie es Vietnamesen gibt. Aber hier kommt meine Lieblings-Version:

Der Legende zugrunde liegt der Glaube, dass sich vor Jahrhunderten eine Fee und ein Drache trafen und hundert Kinder gebaren. Die Fee blieb mit der einen Hälfte der Nachkommen in den Bergen und Tälern, während der Drache mit der anderen Hälfte auf das Meer hinauszog. Somit stammen, laut der Legende, auch alle Vietnamesen von ebendieser Fee und jenem Drachen ab. Als Vietnam einmal angegriffen wurde, eilte der Drache den Menschen zu Hilfe (ha long bedeutet herabsteigender Drache). Um die Feinde abzuwehren, spuckte der Drache 3000 Perlen an das Ufer aus denen 3000 Felsen wuchsen, die den Angreifern den Weg versperrten. Als der Drache wieder ins Meer eintauchte, umspülte das Meerwasser die Felsen, die heute noch in der Bucht zu sehen sind.

So viel zum Mythos, zurück in die harte Realität. Die sah für mich, als ich in Ha Long angekommen bin, nämlich so aus: Bus kommt um vier Uhr morgens in Ha Long an, Fähre fährt aber erst um acht auf die Insel Cat Ba. Und dann saß ich da, dick eingepackt, müde und frierend und fand’s überhaupt nicht lustig. Aber wie zur Belohnung lugte um sechs vorsichtig die Sonne hinter den Felsen in der Bucht hervor und ich konnte einen wunderschönen Sonnenaufgang bestaunen.

Angekommen auf Cat Ba habe ich dann getan, was man so tut, wenn man an einem wunderschönen Strand bei mäßigem Wetter liegt. Genau. Nichts. Den ganzen Tag habe ich mit lesen und ein bisschen im Wasser plantschen rumgebracht, um dann am Abend mit dem gesamten Hostel gemütlich zu Abend zu essen und ein (oder zwei) Bierchen zu trinken. Wenn mir allzu langweilig wurde, bin ich ein bisschen um die Insel marschiert und habe mir die Gegend angeschaut.

 

Tiefenentspannt ging es mit dem Bus dann wieder zurück ins verrückte Hanoi. Dort habe ich die letzten Tage bis Weihnachten verbracht und mich mit alten und neuen Freunden unter die Einheimischen gemischt. Und da ja immer alles so kommt wie es kommen muss, ist mir in Hanoi zum ersten Mal vom Straßenessen schlecht geworden. Zwei Tage vor Weihnachten. Die Details erspare ich euch.

Und welches Abenteuer erwartet Lotti als nächstes? Genau, Weihnachten in Bangkok 😍 und danach geht’s auf nach Myanmar.

Der Zauber des Nordens: Sa Pa

Kaum fünf Autostunden von Hanoi entfernt und doch eine ganz andere Welt: der Norden Vietnams hält, was er verspricht. Von so hohen Bergen und so tiefen Tälern können für uns Europäer sonst nur die Alpen erzählen, aber mit über 3000m ist der Fansipan immerhin der höchste Berg Vietnams. Und auch der Rest der Gegend um den kleinen Ort Sa Pa ist atemberaubend.

Sa Pa selbst wurde schon von Jahrzehnten von den Touristenmassen entdeckt und besitzt wohl kaum noch den Charme, den es einmal hatte. Für die meisten Backpacker, wie auch für mich, ist der Ort sowieso nur Bushaltestelle. Danach geht es auf (bzw. runter) in das Tal, um in einem der kleineren Dörfer zu übernachten. Meine Endstation hieß Ta Van, wo ich bei Temperaturen um die zehn Grad in einen kleinen Homestay gezogen bin. Isolation? Fehlanzeige. Heizung?! Auch.

Aber schön war’s trotztdem! Beim Family-Style Dinner habe ich mich mit den Gastgebern und den anderen Gästen amüsiert und der Reiswein ist in Strömen geflossen. Morgens haben wir uns immer auf den Weg gemacht, um die Nachbardörfer zu erkunden. Durch nebelverhangene Berge und leichten Nieselregen (schlechtes Wetter scheint auf meiner Vietnamreise ja vorprogrammiert zu sein), stapfte ich mit den anderen Leuten aus dem Homestay los. Eine große Trekkingtour habe ich mir, nachdem ich andere Gäste komplett mit Matsch beschmiert habe wiederkommen sehen, gespart.

Das Leben der Menschen, sosehr es vom Tourismus beeinflusst ist, ist immer noch ziemlich ursprünglich. So wurde uns zum Beispiel glaubhaft versichert, dass die traditionelle Kleidung immer und mit Stolz getragen wird. Nicht nur den Touris zuliebe. Wasserbüffel werden von Feld zu Feld getrieben und auf den Märkten herrscht den ganzen Morgen immer reges Treiben.

Wenn die Natur im Regen und nach der Reisernte so bezaubernd ist, kann man sich kaum vorstellen, wie wunderschön es hier sein muss, wenn die Sonne lacht und Felder in sattem Grün erstrahlen. Aber kein Grund traurig zu sein; eher ein Grund bald noch mal wieder zu kommen 😉

Und in Teil zwei geht’s weiter: von Meeresbuchten und Drachen in Ha Long!

Kochen in Hoi An

Schlechtes Wetter hin oder her, Hoi An ist mit Sicherheit einer der hübschesten Städte, die ich bis jetzt gesehen habe. Zwischen Meer und Flussdelta liegt die malerische Altstadt, die größtenteils sogar Fußgängerzone ist (das hindert die meisten Motorradfahrer natürlich nicht daran trotztdem durchzufahren).

Die bunten Laternen haben den grauen Himmel der Stadt zumindest ein bisschen erhellt, aber trotzdem musste ich mich nach Alternativen zum regulären Sightseeing umschauen. Ein Kochkurs war die Lösung. Eines der Dinge, die ich wirklich vermisse ist das regelmäßige Kochen zu Hause. Immer Essen gehen zu müssen wird irgendwann lästig. Da habe ich es genossen mal wieder in der Küche zu stehen und mein eigenes Mittagessen zu kochen.

Zuerst haben uns die Köche der Red Bridge Cooking School aber den Markt in der Altstadt gezeigt. Zwischen Obst und Gemüse, Kräutern und Gewürzen, Fisch und Fleisch wurden uns die typischen Zutaten der vietnamesischen Küche nähergebracht.

Danach ging es mit dem Boot den Fluss entlang zur Kochschule. Gemeinsam sind wir dann durch den Kräutergarten geschlendert und von Erdnusspflanzen bis zu Zitronengrass konnten wir uns alles ganz genau anschauen und unter die Nase halten. Bevor uns zugetraut wurde uns selbst an die Kochtöpfe zu begeben, wurde uns jedes Gericht von dem (super lustigen) Küchenchef einmal vorgekocht. Von Sommerrollen über Pancakes Hoi An Style bis hin zu einem Hot Pot mit Hühnchen und Ei haben wir uns dann durch Vietnam gekocht. Und sogar Reispapier kann ich jetzt selbst machen!

Und dann hieß es endlich: Essen fassen! Gemeinsam saßen wir im Garten der Kochschule und haben unsere selbstgekochten Gerichte verspeist. Neben den Eigenkreationen gab es noch Papaya-Salat mit Meeresfrüchten und ein Fischgericht. Vollgefuttert und glücklich ging der Vormittag zu Ende und wir sind über den Fluss wieder zurück nach Hoi An gefahren.

Kunst in Ho Chi Minh

Kulturschock mal anders… vom armen, ländlichen Kambodscha in die Mega-City Ho Chi Minh (oder Saigon oder die Stadt der tausend Dachterrassen). Laut, dreckig, tausende Motorräder, Wolkenkratzer, Millionen Menschen; über die Straße gehen wird wieder zur Nahtoderfahrung. Und Gott, ich hab’s vermisst! So schön die Natur, der Strand und die Ruhe sind, bin ich definitiv ein Stadtkind.

Wenn man alleine so durch die Welt reist, wird man ziemlich oft gefragt, ob es nicht manchmal einsam ist. Und ganz ehrlich: nein, ist es nicht, eigentlich nie. Es gibt immer irgendjemanden mit dem man sich unterhalten kann. So hat es an meinem ersten Abend in Saigon keine fünf Minuten gebraucht bis ich mit dem Nachbartisch im Gespräch war; keine 10 Mintuten später habe ich mich mit Rich und Soo (zwei Filmemacher aus den USA bzw. Korea) mit Soju betrunken 😉

Da ich in meiner Zeit in Asien schon den ein oder anderen Tempel gesehen habe, habe ich die in Ho Chi Minh reinen Gewissens ausgelassen und mich stattdessen mit der künstlerischen Seite der Stadt beschäftigt. Für Kunst in Saigon gibt es im Grunde genommen zwei Adressen: Das Fine Arts Museum HCMC und die 3A Alternative Arts Area.

Angefangen habe ich im Fine Arts Museum, das südostasiatische, vor allem natürlich vietnamesische Künstler ausstellt. Das Gebäude, von einem Franzosen in den 1920ern errichtet, ist eigentlich an sich schon einen Besuch wert.

Die Ausstellungsstücke variieren ehrlich gesagt von ziemlich greislig über propagandistisch bis absolut beeindruckend und wunderschön. Im Hauptgebäude sind vor allem Gemälde untergebracht; in den zwei Nebengebäuden wechselnde Ausstellungen bzw. antike Kunst und Gebrauchsgegenstände aus Stein, Porzellan und Holz.

Was mir schnell aufgefallen ist, dass, ganz anders als in europäischer Kunst, viel mit Lack auf Holz gearbeitet wird. In einer der wechselnden Ausstellungen hatte ich das Glück, den ausstellenden Künstler zu treffen, der mit erklärt hat, dass diese Technik schon seit Jahrtausenden in chinesischer, japanischer und vietnamesischer Kunst verwendet wird. Aber auch bei zeitgenössischen Künstlern erfreut sich die Technik mit ihren kräftig leuchenden Rot- und Gelbtönen im Kontrast mit dem Tiefschwarz und der Goldfolie, immer noch großer Beliebtheit.

Nach einer kleinen Verschnaufpause im (übrigens wunderschönen!) Cafe des Museums, bin ich in den Norden der Stadt gelaufen, um mir die 3A Alternative Arts Area anzuschauen. Das ist im Grunde genommen nur ein winziger Teil der Stadt, an dem sich Gallerien von Künstlern aus der Gegend, kleine Cafes, Restaurants, coole Bars und hübsche Boutiquen aneinanderreihen. Das Puplikum ist jung und künstlerisch. Wohl der perfekte Ort, um ein bisschen zu bummeln oder shoppen und abends mit Freunden wegzugehen.

Ho Chi Minh ist eine wirklich coole Stadt; super Atmosphäre, laut und geschäftig, energiegeladen. Aber der Rest Vietnams wartet darauf auch gesehen zu werden! Ich berichte euch über Saigon tatsächlich schon aus meinem nächten Ziel Hoi An (sorry, dass es diesmal etwas länger gedauert hat 🙄). Und über meine Abenteuer in Hoi An werde ich dann natürlich im nächsten Blogpost berichten.