auf den spuren der khmer

Notiz an mich selbst: Von Chiang Mai nach Siem Reap mit dem Bus zu fahren, hört sich vielleicht nach einer guten Idee an, ist es aber nicht. Der Bus über Nacht von Chiang Mai nach Bangkok war noch ganz angenehm, morgens um halb fünf in Bangkok rausgeschmissen zu werden um auf die Weiterfahrt zu warten, wieder nicht so. Und von Bangkok nach Siem Reap wurde es dann richtig abenteuerlich. Man hatte uns im Vorhinein tausend mal geraten das Visum wirklich erst an der Grenze zu kaufen und nicht an einer inoffiziellen Stelle (an der das Visum natürlich doppelt so teuer ist). Und natürlich wurden wir an der inoffiziellen Stelle rausgelassen, um die überteuerte Einreisegenehmigung zu erstehen. Zum Glück hatte ich mein Visum schon im Voraus beantragt…

Nach 25 Stunden und 6 verschiedenen Bussen bin ich aber (endlich!) in Siem Reap angekommen. Und die Busfahrt war es allemal wert. Nach der ein oder anderen mit den Leuten aus dem Hostel durchzechten Nacht, habe ich mich auf die Spuren der Khmer gemacht und Angkor besichtigt.

Angkor war lange die Hauptstadt des Khmer-Reiches und zu seiner Blütezeit lebten dort etwa 1 Millionen Menschen auf einer Fläche (wesentlich) größer als Berlin. Die Baukunst der Khmer ist legendär und Angkor Wat wird nicht umsonst als achtes Weltwunder gehandelt. Diese Tempelanlage war Herzstück der Stadt und die größte ihrer Art.

Doch gerade in der Hauptsaison ist Angkor Wat hoffnungslos überlaufen. Viel schöner ist es da Abseits der Touristenpfade außen an den Mauern, die den Tempel umschließen, entlangzulaufen und die Ruhe und Natur zu genießen.

Doch Angkor hat noch mehr zu bieten als das. Mehrere kleinere Tempel sind über das riesige Areal verteilt, das man entweder mit dem Tuk Tuk (für Faule), mit dem Fahrrad (für Sportliche) oder zu Fuß (für Verrückte) erkunden kann. Ich habe mich für die Variante mit dem Fahrrad entschieden. Der Tempel, der mir besonders gut gefallen hat, ist der Bayon Tempel im Norden Angkor Wats. Hier schauen die lächelnden Gesichter der Khmer von den Türmen auf die Besucher des Tempels herab.

Ich hab mir zwei Tage Zeit genommen, aber das Gefühl nur einen Bruchteil gesehen zu haben. Und es gibt natürlich noch viel mehr zu sehen als diese zwei Tempel. Man könnte vermutlich über eine Woche jeden Tag in Angkor verbringen und immer wieder neue Details entdecken.

Morgen werde ich mich wieder in einen kambodschanischen Bus setzen und in die Hauptstadt Phnom Penh fahren (ich lerne anscheinend nicht dazu). Siem Reap lasse ich nur schweren Herzens zurück. Obwohl die Stadt an sich nicht viel zu bieten hat, ist Angkor natürlich eine fantastische Sehenswürdigkeit. Was die Stadt trotzdem so besonders macht, sind die unfassbar freundlichen Menschen und ich werde den Spaß, den ich hier hatte so schnell wohl nicht vergessen.

was Stern wird jede Nacht und steigt

Loi Krathong, das Lichterfest, wird in ganz Thailand traditionell in der Vollmondnacht des zwölften Monats des thailändischen Mondkalenders gefeiert. Doch nicht nur in der Nacht des Vollmondes, sondern vier Tage lang wird jeden Abend das ganze Land in ein Lichtermeer getaucht. Es sind Tage, die man mit Freunden und der Familie feiert und der Götter gedenkt.

12. November: Die Eröffnungszeremonie

Das Lichterfest wurde, wie hätte es anders sein sollen, mit dem Anzünden hunderter Kerzen und Laternen begonnen. Von der Rede und dem gemeinsamen Beten habe ich genauso wie alle anderen Touristen nur wenig mitbekommen, da wir a) kein Wort verstanden haben und b) vermutlich sowieso nur wenig mit dem Gesagten hätten anfangen können. Aber man hatte die Möglichkeit selber eine Kerze anzuzünden oder einfach nur den Moment zu genießen.

13. November: Stilles Gedenken

Der zweite Tag wurde etwas ruhiger angegangen. Normalerweise finden zu Loi Krathong ein Wettbewerb um die schönsten Krathongs nach dem anderen statt und es werden riesige Paraden durch die Stadt veranstaltet. Dieses Jahr jedoch, stand das Fest im Zeichen der nach wie vor anhaltenden Trauer um den verstorben König. Doch immerhin einige Floße und Kerzen schipperten still und leise auf dem Fluss.

14. November: Die Nacht der Nächte

Am Montag wuchs die Aufregung spürbar Stunde um Stunde. Laut und festlich empfing Chiang Mai ihre Gäste, die größtenteils extra für diesen Moment angereist waren. Am Fluss angekommen, war Ellbogeneinsatz gefragt, um sich den freien Blick auf die Geschehnisse zu erkämpfen.

Und dann war es so weit: Die ersten Laternen stiegen auf in den Himmel, die ganze Anspannung und Hektik der letzten Stunden fiel ab und machte Platz für Freude und Staunen. Unter den wachsamen Schein des Vollmondes erhellten tausende Lichter den dunklen Himmel. Wie Sterne schwebten sie in die Nacht und trugen die Wünsche der Menschen mit sich fort.

15. November: Die Parade

Die Parade, die ich mir nicht mehr angeschaut habe… nach drei langen Abenden war mir dann eher nach Schlaf als nach Menschenmengen, Musik und Feiern. Soll aber schön gewesen sein 😉

Am darauffolgenden Tag ging meine Zeit in Chiang Mai zu Ende. Loi Krathong ist mit Sicherheit eine ganz besondere Erfahrung und ich bin unfassbar glücklich die Möglichkeit gehabt zu haben, es mitzuerleben. Und jetzt? Jetzt werde ich mich vorerst von Thailand verabschieden und Kambodscha erkunden. Aber! Ich werde wieder kommen und euch natürlich auf dem Laufenden halten.

how to: Krathongs basteln in Chiang Mai

Chiang Mai im Norden Thailands hat ja wirklich einiges zu bieten, aber berühmt ist die Stadt wohl für ihre Feierlichkeiten zu Loi Krathong. Das Festival dauerte 2016 vom 12. bis zum 15. November und auch mir war bei der Planung meiner Reise klar, dass ich Thailand nicht verlassen werde, bevor ich Loi Krathong miterlebt habe. Doch aufgrund dessen, dass der thailändische König einen Monat zuvor verstorben ist, war es dieses Jahr nicht ganz „business as usual“. Die Verwirrung wo und wann und ob überhaupt die Feierlichkeiten stattfinden war groß. Von „alles wird so sein wie immer“ bis „das kostet 60.000 Baht Strafe, wenn man dieses Jahr Laternen steigen lässt“ habe ich eigentlich alles gehört. Im Endeffekt war es irgendwas dazwischen und gut so wie es war 😊

Als ich (nach einer seehr langen Zugfahrt) endlich in Chiang Mai ankam, war die Stadt schon geschmückt und alle freuten sich auf das Fest. Tagsüber habe ich mit zwei (zufällig getroffenen) Freundinnen die Altstadt erkundet. Das ist vermutlich überhaupt das Beste am Reisen: die Leute, die man trifft und dann an einem komplett anderen Ort zufällig wiedertrifft.

Ein Teil des Loi Krathong Festes genannt, ist das inzwischen vermutlich weltberühmte Steigenlassen hunderter Laternen. Eigentlicher Hauptbestandteil des Lichterfests ist es aber die Krathongs, also kleine mit Blumen, Räucherstäbchen und Kerzen geschmückte Floße, auf einem Fluss schwimmen zu lassen (loi = schwimmen, schweben und krathong = Floß). Man ehrt der Flussgöttin und lässt alles Unheil mit den Floßen davonschwimmen, um dann mit Freunden und Familie zu feiern. Als ich am Abend des Festes zurück in mein Hostel gekommen bin, haben die dort arbeitenden Thais gerade ihre eigenen Floße hergestellt und mir gleich gezeigt wie das funktioniert. Gelduldig haben sie mir erklärt warum und wie man die Schiffchen baut und mich auch mein eigenes basteln lassen.

Die schwimmende Basis wird mit Bananenblättern umwickelt und mit gefalteten Blättern und Blüten dekoriert, die an eine Lotusblume erinnern sollen.

Mit Blumen verziehrt, dürfen eine Kerze und drei Räucherstäbchen nicht fehlen.

Das fertige Floß (auf das ich dann doch irgendwie stolz war) wird dann zu Wasser gelassen und mit ihm die Wünsche und Träume für das kommende Jahr. Bis zum nächsten Loi Krathong.

Und immer schön Ausschau halten: bald gibt es den nächsten Blogpost und alle Details zu Loi Krathong.

Ayutthaya by bike

Montagmorgen ging es los. Raus aus Bangkok und hoch in den Norden! Ich hab mich wirklich auf Ayutthaya (und später dann auf Chiang Mai) gefreut und stand dann erstmal eine Stunde im strömenden Regen und habe auf den Bus gewartet. Aber zum Glück ist der Regen hier ja schön warm 😉 Von Bangkok aus fährt man nur ca. 2 Stunden und man steht mitten in der alten Königsstadt Ayutthaya. Das Hostel zu finden war zwar ein bisschen schwierig (der Busfahrer sprach genauso viel Englisch wie ich Thai), aber nicht unmöglich. Insgesamt ist Ayutthaya natürlich viel ruhiger als Bangkok und man muss nicht jedes mal Angst um sein Leben haben, wenn man über die Straße geht; was nach einer Woche Bangkok-Madness ganz angenehm ist.

Und gestern habe ich mich dann auf den Weg gemacht, um die Ruinen der Stadt und die Geschichte des alten Siam zu erkunden. Ayutthaya ist eine der drei alten Hauptstädte des ehemaligen Königreichs Siam und war zu seiner Blütezeit ab dem 16. Jahrhundert kulturelles und religiöses Zentrum Siams und absolute Weltstadt. Bekannt vor allem durch ihre Architektur, erlangte die Stadt ihren Wohlstand durch intensive Handelsbeziehungen nach Asien und Europa. Rituelles Zentrum war der Tempel Wat Mahathat, dessen Ruinen heute zum Geschichtspark Ayutthaya gehören, den man am besten mit dem Fahrrad erkundet.

Und gleich nebenan liegt Wat Ratchaburana, den ich (wenn man schon mal da ist) auch gleich noch mitgenommen habe. Hier ist der Prang (das große Ding in der Mitte) noch wesentlich besser erhalten und man kann ihn sogar betreten und sich Seite an Seite mit hunderten Fledermäusen ein bisschen in den engen, dunklen Räumen gruseln.

Abends hab ich noch auf dem Night Market vorbeigeschaut, auf dem man erstaunlich gut essen kann. Als ich mich durch sämtlichen „normalen“ Gerichte durchprobiert hatte, musste es dann natürlich noch wesentlich exotischer werden. Und ich kann euch versichern: Heuschrecken schmecken nicht so eklig wie sie aussehen.

Am nächsten morgen habe ich mir mein Rad doch noch mal geschnappt und bin ein Stück weiter aus der alten Stadt rausgefahren, um mir noch einen Tempel anzuschauen (hab hier ja sonst nichts zu tun). Wat Chaiwattanarm liegt im Westen der Stadt, kann aber locker mit seinen Konkurrenten aus der Altstadt mithalten.

Und die Sonne hat sich zum Schluss auch noch ein bisschen rausgetraut…

Ayutthaya ist zwar lange nicht so bekannt wie so manch anderer Ort in Thailand, dafür aber umso sehenswerter. Und der perfekte Zwischenstop zwischen Bangkok und dem Norden. Morgen ist meine Zeit hier vorbei… Schön war’s, weiter geht’s. Auf nach Chiang Mai!

Guten Morgen, Bangkok!

Nach fünf Tagen in Bangkok kann ich, glaub ich, mit Überzeugung sagen, dass mir die Stadt in den Morgenstunden am besten gefällt (Nachtleben hin oder her)! Egal ob man morgens durch einen der Parks schlendert, in Ruhe frühstückt oder sich die Touristenattraktionen anschaut bevor sie komplett mit fotografier-wütigen, Trekkingsandalen-tragenden Menschen überladen sind.

Der Tempel Wat Phra Kaeo, ein absolutes Must-See in Bangkok, ist zwar mit seinen 500 Baht Eintritt nicht gerade günstig, aber definitiv atemberaubend schön. Die auf dem Gelände des Königspalasts gelegene Tempelanlage wurde im 18. Jahrhundert unter König Rama I. errichtet und bezaubert heute noch mit seiner prächtigen Bauweise und unfassbar detailreichen Verzierungen. Im Tempel des Smaragd-Buddah findet sich natürlich auch besagter Buddah, der überraschend klein ist, dafür aber anmutig auf einem sehr hohen Thron sitzt 😉 (fotografieren darf man ihn leider nicht).

Direkt daneben befindet sich ein weiterer Tempel: Wat Pho. Zugegeben, in Prächtigkeit kann er Wat Phra Kaeo nicht übertreffen, dafür ist er viel atmosphärischer, weitläufiger und dadurch auch nicht so voll. Highlight hier ist natürlich der riesige, liegende Buddah (ganz unten), der komplett vergoldet im Herzen des Tempels ruht.

Und noch eine Besonderheit hat der Tempel zu bieten: Wer sein Karma ein wenig aufpolieren möchte, kann 20 Baht in kleines Münzgeld umtauschen und Stück für Stück in die 108 Opferschalen werfen; eine Schale nach der anderen.

Wenn es noch nicht ganz so unerträglich heiß ist und die Thais ihre Stadt noch für sich haben, lohnt sich definitiv ein Spaziergang durch den Lumphini-Park (ambitionierte Sportler können natürlich auch bei 26° und 80% Luftfeuchtigkeit die 2,5km lange Jogging-Strecke nutzen).

Somit verabschiede ich mich heute aus Bangkok, aber natürlich nicht ohne mir heute nachmittag noch mal Chinatown anzuschauen! Ich glaube nicht, dass Bangkok eine Stadt ist, in die man sich sofort verliebt. Man muss ihr ein bisschen Zeit geben, ihre schönen Seiten zu offenbaren… und so ist sie auch mir in den letzten paar Tagen an’s Herz gewachsen. Also bis bald, Bangkok, ich freu‘ mich schon darauf dich wieder zu sehen!

übers reisen und ankommen

Die Reaktion, wenn man jemandem erzählt, dass man alleine die Welt bereisen will, ist eigentlich immer dieselbe: Überraschung. „Du machst eine Weltreise? Alleine?!“ Wenn dann das anfängliche Entsetzen langsam schwindet, werden die meisten aber doch neugierig warum ich das tue. Und ganz ehrlich? Das habe ich mich (vor allem in den letzten 48 Stunden) auch ziemlich häufig gefragt…

Ich kam gestern morgen nach 14 Stunden Flug in Bangkok an, Rucksack natürlich weg, mit den Nerven am Ende, Fahrt zum Hostel hat ewig gedauert und Hunger hatte ich auch! Und dann saß ich da in den Klamotten von gestern, zum Frühstück gibt’s Toast mit Instant-Kaffee und habe mich ernsthaft gefragt ob ich bescheuert bin.

Aber auch wegen solcher Momente macht man das ja. Weil man an Herausforderungen wächst oder so… Ich hätte mir natürlich einen etwas harmonischeren Start in das Langzeit-Reisen gewünscht, aber sei’s drum, wird schon noch besser werden.

Aber ich war endlich in Bangkok angekommen. Und nach einem kleinen Spaziergang durch die Nachbarschaft sah die Welt nachmittags auch schon viel rosiger aus.

Bangkok ist definitv nichts für Leute, die es gerne ruhig und sauber haben. Es geht laut und dreckig zu, aber zum Glück muss ich mich zumindest nicht selbst durch das Verkehrschaos schlängeln. Man lässt sich einfach von einem der unzähligen Tuk Tuks durch die Gegend fahren (und ja der Fahrtpreis ist definitiv verhandelbar 😉). So sehr mich das Gewusel am Anfang gestresst hat, desto mehr fange ich jetzt an die Freundlichkeit der Menschen und das günstige und seeehr gute Street-Food wertzuschätzen.

Ach ja und ganz viele lustige Tiere gibt’s hier auch!

Wenn man von der ganzen Hektik eine Auszeit braucht, kann ich das Jim Thompson House nur empfehlen! Mitten in der Stadt gelegen, bietet es die Möglichkeit einfach mal gedankenverloren durch den Garten zu schlendern und die Ruhe zu genießen. Oder man schließt sich einer kostenlosen Führung durch das Haus an. Aus allen Regionen Thailands zusammengesammelt, hat sich hier der amerikanische Architekt eine vom alten Thailand inspirierte, aber ganz auf ihn zugeschnittene, thailändische Residenz geschaffen. Gefüllt ist sie mit Möbeln und Kunst aus ganz Asien und der Welt und wirklich schön.

Mal schauen, was die nächsten acht Monate so bringen… ich werde es erstmal genießen und mich treiben lassen und (ja, Mama) euch natürlich immer auf dem Laufenden halten.

Ach ja, und den Rucksack habe ich mittlerweile auch wieder. 😉