CDMX

Jedes mal, wenn man jemandem erzählt, dass man nach Mexiko reisen will (allein, weiblich), wird man leicht entsetzt angeschaut und sein Gegenüber fragt sich vermutlich, ob man gestört ist. Nein, bin ich nicht 😉 und ich will auch nicht sterben, überfallen oder einer meiner Nieren beraubt werden. Mexiko (und ich sage das jetzt allen Ernstes) ist ziemlich sicher für Touristen. Ich will ja gar nicht behaupten, dass es keine Probleme, Kriminalität oder Gefahren gibt, aber ganz ehrlich? Das schlimmste was einem hier passieren wird, ist, dass man fett wird, weil das Essen so lecker ist. Mit ein bisschen Vorsicht und einer Portion gesundem Menschenverstand ist Mexico ziemlich easy zu bereisen; und verdammt cool.

Meine erste Station hieß la Ciudad de Mexico oder kurz CDMX. Mexico City ist eine mega Metropole mit über 20 Millionen Einwohnern im Ballungsraum. Dort habe ich meine ersten anderthalb Wochen zwischen Street-Tacos und Mezcalerien verbracht. Mexico City ist definitiv eine Stadt der Gegensätze. Egal ob schicke Villen in Coyocàn im Vergleich zu den Armenviertel in den Außenbereichen der Stadt oder die Businessmänner und -frauen auf La Reforma  im Vergleich zu den Hipstern in Condesa und Roma.

Man bräuchte vermutlich Jahre und nicht so wie ich Tage, um die ganze Stadt zu erkunden; allein die über 150(!) Museen könnte man vermutlich ein ganzes Jahr lang täglich besuchen. Ich habe mich da eher auf einige wenige beschränkt… der Palacio de Bellas Artes beispielsweise oder das vielgelobte Anthropologiemuseum. Hier wird die Geschichte Mexikos über mehr als 12000 Jahre aufgerollt. Von den ersten Siedlern zu den Hochkulturen der Antike. Jeder indigenen Bevölkerung, egal ob der Teotihuacán nördlich von Mexico City, der Maya im Südwesten des Landes oder der Azteken, die ihre Hauptstadt Tenochtitlán dort errichtet hatten, wo das heutige Mexico City liegt, wurde ein Abschnitt des Museums gewidmet. Und von den Hochkulturen geht es weiter über die spanische Conquista bis hin zur Neuzeit.

Die bewegte Geschichte Mexikos ist überall in der Stadt zu spüren. So muss man nur durch das historische Stadtzentrum wandern und man stolpert fast unvermeidlich über die Ausgrabungen des Templo Mayor. Heiligtum und Zentrum des Universums der Azteken. Die Anlage wurde bis in das 15. Jahrhundert auf einer Insel im See erbaut, der damals die Hochebene beherrschte. Die Spanier haben dann allerdings den See aufgeschüttet und das Wunder antiker Baukunst kurzerhand plattgemacht. Die spanischen Eroberer brachten nicht nur das Ende der Herrschaft der antiken Kulturen über Mexiko, sondern auch zahllose Krankheiten, die den Großteil der indigenen Bevölkerung auslöschte. Es hat noch ein paar weitere Jahrhunderte gebraucht, bis sich die Mexikaner ihre Unabhängigkeit wieder erkämpft hatten und ein weiteres Jahrhundert bis das Mexiko gegründet wurde, wie wir es heute kennen.

Erst vor kurzem wurden neben der Amtssprache Spanisch, 69 indigene Sprachen als Nationalsprachen anerkannt. Was Sinn macht, denn der Großteil der Mexikaner ist sowohl spanischer als auch indigener Abstammung; und stolz darauf.

Doch auch neben der facettenreichen Geschichte, hat die Stadt noch einiges zu bieten. So ist zum Beispiel die Künstlerin Frida Kahlo eine große Ikone Mexico Citys. Ihr ehemliges Wohnhaus, die Casa Azul, wurde nach ihrem Tod zum Museum umbegaut und für Besucher aus aller Welt geöffnet. Es ist kaum vorstellbar, was für eine starke und einflussreiche Frau Frida Kahlo gewesen sein muss, trotz jahrelanger Krankheit. Sie hat über ihre Lebzeiten hinaus eine ungeheure Bedeutung für die Frauenbewegung in ganz Lateinamerika, gerade für Frauen indigener Abstammung. Vor allem aber war sie Künstlerin und ihre Werke sind natürlich auch im Museum zu bewundern.

Mexikos Probleme sind zwar in der Hauptstadt nicht direkt zu spüren, aber doch irgendwie allgegenwärtig. So nimmt man bei Protesten die Unzufriedenheit der Bvölkerung gegenüber der Regierung wahr und auch die 43 Studenten, die vor ein paar Jahren erst spurlos veschwunden und dann grausam ermordet wurden, lassen die Menschen nicht los. Die Studenten waren vermutlich einfach zur falschen Zeit am falschen Ort und sind so zwischen die Fronten der Kartelle und der Regierung gekommen, doch die unzureichende Erklärung der Regierung stellt die Hinterbliebenen natürlich nicht zufrieden.

Und so wandert man an laufenden Demonstationen mit riesigem Polizeiaufgebot vorbei, um in Condesa feiern zu gehen und so unbeschwert man selbst sein mag, ein bisschen surreal ist es schon. Die jungen Leute sind sich der Probleme in ihrem Land zwar sehr bewusst, lassen sich aber keinesfalls davon einschüchtern. Und dann habe auch ich getan, was man so tut, wenn man ganze Tage in der Stadt rumzubringen hat: durch die verschiedenen Viertel und Parks wandern, überall fantastischen Kaffee trinken und lecker Streetfood essen und den Skatern, Musikern und Straßenkünstlern zuschauen. Und in den langen mexikanischen Party-Nächten, egal ob zu populärem Reggaton, klassischem Salsa oder coolem Techno ist Mexico City dann vor allem eins: pure Lebensfreude.