irgendwo in mexiko

Irgendwann musste ich mich dann aber doch von Mexico City verabschieden, so schwer es mir fiel. Doch bald schon wartete das richtige Mexico auf mich: Egal ob im blauen Meer oder tiefen Dschungel, Mexiko hat mich nicht nur überrascht, sondern total vom Hocker gehauen.

Angefangen hat meine Tour in Puebla. Nur etwa zwei Stunden südlich der Hauptstadt gelegen, ist es fast eine kleine eigene Welt. Während der spanischen Eroberung wurde Puebla als ideale spanische Stadt fern der Heimat errichtet. Zentrum der Künste, der Küche und Kultur. Und noch heute bezaubert die wunderschöne Kolonialstadt mit ihren tausenden Kirchen am Fuße des Popocatépetl. Und auch an der Mole Poblano (mexikanische Sauce mit Schoki 😉) kommt man hier kaum vorbei bei einem ausgedehnten Spaziergang durch die Altstadt.

Nächster Halt: Oaxaca City. Genauso bezaubernd, liegt die Stadt im Norden der ersten Provinz Oaxaca (sprich: Oachaka), die ich auf meiner Tour besuchen werde. Dann ging hier das gleiche Spiel wieder von vorne los: in brütender Hitze durch die Stadt laufen, Kirchen anschauen, Häuser bewundern, alles Essbare in der Umgebung probieren. Da kam mir die kühle Brise, die auf dem Aussichtspunkt über der Stadt wehte ganz gelegen. Da oben saß ich dann ein bisschen, habe die Stille und Aussicht genossen, bevor ich mich abends wieder in die wuselige Stadt gestürzt habe.

Denn eines hat Oaxaca City, mit dem Puebla nicht auftrumpfen kann. Nachtleben. Und wie. Freitagnachmittag ging es schon los, als eine riesige Parade von Musik und Tanz (und Bier) begleitet durch die Stadt zog. Abends nach dem Family Dinner im Hostel sind wir noch in den Genuß einer Mezcal-Verkostung gekommen. Für alle, die noch nie in Mexiko waren und nicht wissen, was die Mexikaner für Snobs sind, wenn es um Alkohol geht, hier die Erklärung: Mezcal wird, wie Tequila, aus der Agave gewonnen. Für den Mezcal wird dann eine oder mehrere Sorten der Agave geräuchert bevor Schnapps draus wird. Für den billigeren Tequila (der sich theoretisch auch nur so nennen darf, wenn er aus der Region Tequila kommt) wird die Agave nicht geräuchert und der Schnapps normalerweise auch nicht gelagert, um den Geschmack zu intensivieren. Nur verständlich also wenn es die Mexikaner als absoluten Affront verstehen, wenn man ihren geliebten Mezcal nicht in kleinen Schlücken genießt, sondern sich in einem Schuss wie eine 18-jährige Amerikanerin auf dem Spring-Break in Cancún hinter die Binde kippt. Und dann haben wir die Abende in Oaxaca City mal gemütlich, mal feiernd auf den unzähligen Dachterassen der Stadt ausklingen lassen. Doch die Region Oaxaca hat noch mehr zu bieten; vor allem kilometerlange Strände mit einigen der besten Wellen, die die Pazifikküste der beiden Amerikas zu bieten hat.

Also habe mich auf den Weg gemacht ins berüchtigte Puerto Escondido. Wer dort übernachten möchte (und das kann ich nur wärmstens empfehlen) fährt am besten direkt aus der Stadt raus, den Stand hinunter nach La Punta. Viel entspannter und ruhiger lässt es sich hier mitunter nicht nur Tage sondern Wochen und Monate aushalten. Viel zu tun gibt es im Grunde genommen nicht in Puerto Escondido. Der Ort ist geprägt vom surfen und dann habe ich mir auch wieder ein Board geschappt und mich in die Wellen gestürzt. Den Point Break vor der Haustüre in La Punta habe ich den Könnern überlassen und die riesigen Brecher am Hauptstrand Zicatela sind nur denen zu empfehlen, die wirklich wissen, was sie tun. Und leicht lebensmüde sind. Denn nicht umsonst wird die Welle auch Mexican Pipeline genannt (nach einer der berühmtesten Wellen Hawaiis) und kann sich bei richtigen Bedingungen locker auch mal 10m auftürmen. Die kleine Bucht am Playa Carizalillo war eher was für mich und neben guten Bedingungen auch noch wunderschön.

Neben täglich zwei mal surfen und hin und wieder ein bisschen Yoga hatten wir dann auch kaum mehr Zeit für viel anderes. Aber Zeit ein paar Babyschildkröten zu retten hat man immer. Die Schildkröten kommen jedes Jahr an alle Strände entlang der mexikanischen Pazifikküste und legen ihre Eier im Sand ab. Um die Eier von menschlichen oder tierischen Räuber zu schützen, werden sie eingesammelt und können sich eingezäunt und gut behütet langsam entwickeln. Sobald die kleinen Schildkröten dann geschlüpft sind, werden sie am Stand freigelassen und müssen nur noch die letzten paar Meter ins offene Meer schaffen. Und es wäre ja gelacht, wenn man daraus nicht auch eine genauso unterhaltsame wie lehrreiche Touristenattraktion machen könnte. Für ein paar Euro kriegt man dann eine Kokosschale mitsamt Babyschildkröte in die Hand gedrückt und muss ihr einen Namen geben, bevor sie in die Freiheit entlassen wird. Und so standen wir am Stand und haben Fred (links) und Rosie (rechts) dabei zugeschaut wie sie sich raus aufs offene Meer gekämpft haben. In freier Wildbahn überlebt nur ein winziger Bruchteil der Eier diesen Weg und ihre ersten Jahre im Meer, mit der Hilfe von Organisationen wie dieser schafft es aber fast ein viertel bis ins Erwachsenenalter.

Eine gute Tat später haben wir uns glücklich und zufrieden wieder nach Hause aufgemacht, um den letzten Abend in La Punta ausklingen zu lassen. Es ist mir wirklich schwer gefallen, La Punta und das entspannte Leben am Meer hinter mir zu lassen; ich hätte es hier Monate ausgehalten, wenn nicht der Rest Mexikos darauf gewartet hätte entdeckt zu werden. Und so habe ich Surfen und Meer in Oaxaca gegen Salsa und Berge in Chiapas eingetauscht. Aber dazu bald mehr bei Lotti:)

Raglan

Zurück in Auckland! Aufgrund meines ausgezeichneten Talents für’s planen und organisieren, war ich zwar am richtigen Ort für meinen Weiterflug in die USA, aber leider zu früh. Während meiner Zeit in Neuseeland ist mir aber viel Gutes über einen kleinen Ort an der Westküste der Nordinsel zu Ohren gekommen. Raglan ist ein Surferort und trotz der perfekten Wellen, die das ganze Jahr über an die Küste rollen, in der Welt relativ unbekannt. Ein kreativerer Titel als einfach nur Raglan ist mir diesmal leider nicht eingefallen, aber viel Erklärung braucht der Ort  sowieso nicht. Das „Stadtzentrum“ ist im Grunde genommen eine Straße, es ist entspannt, man läuft barfuß durch die Gegend und mit dem Wetter hatte ich trotz neuseeländischem Herbst auch Glück.

Ich hatte vor ein paar Jahren in Australien schon mal ein paar peinliche Surfversuche, aber zum Surfer bin ich damals nicht geworden. Trotzdem hat mich die Herausforderung noch mal gereizt und ich habe in Raglan ein paar Stunden gebucht. Und gleich einen Treffer gelandet! Denn die Jungs von Green Wave Raglan, haben es nicht nur geschafft, dass ich bei meiner ersten Welle aufgestanden bin, sondern geben ihren Gästen auch die Möglichkeit bei ihnen AirBnB-Style zu wohnen. Fantastisches Familiy-Dinner jeden Abend inklusive!

Das coole an Raglan ist, dass die Wellen, von Süden kommend, eine 180° Drehung vollenden bevor sie auf die Küste treffen. Das heißt, dass sie weniger stark sind, als an anderen Stellen an der Westküste und trotzdem in schönen Abständen in die Bucht rollen. Also perfekt für Anfänger wie mich, die keine Lust haben, ständig gegen meterhohes Weißwasser anzupaddeln 😉 Aus den vier Tagen, die ich eigentlich bleiben wollte, wurden dann natürlich mehr und jeden Tag ging es für 3 Stunden raus auf’s Wasser, um besser zu werden und bei stahlendem Sonnenschein zu surfen. Nach elf Tagen ohne Pause tat mir jedes Gelenk und jeder Muskel im Körper weh, aber ich war überglücklich und auch ein bisschen stolz, dass ich mich nicht komplett zum Deppen gemacht habe.

Und wenn wir mal nicht im Meer waren, dann haben wir die Nachmittage beim Pizza-Futtern beim Italiener um die Ecke verbarcht oder denen, die wissen was sie tun, bei einem der Point-Breaks außerhalb Raglans beim surfen zugeschaut. Kitschigen Sonnenuntergang gab’s kostenlos dazu.

Aber auch die schönste Zeit muss natürlich zu Ende gehen und so habe ich nach fast zwei Wochen Abschied genommen. Bing, Zen, Ryan, ihr seid die Besten! Ich werde Raglan, das Meer und die vielen Abende, die wir Gäste mit den drei Jungs bei gutem Essen und viel Wein verbracht haben so schnell wohl nicht vergessen!

balinese adventures

Aufmerksame Leser werden bemerkt haben, dass ich in meinem letzten Blogpost davon gesprochen habe nach Thailand gereist zu sein. Bin ich auch, dazu später mehr. Zuerst will ich euch aber von Bali erzählen.

Von Bali hört man ja so einiges: von Inselparadis über weibliche Mittvierziger in einer existenziellen Krise bis hin zu dauerbesoffenen Australiern hat die Insel eigentlich alles zu bieten. Darum ist hier die richtige Lage wichtiger als sonst irgendwo. Meine erste Station war Ubud, spirituelles Zentrum der Insel. Umgeben von veganen Hippies mit Millionen-Anwesen und eben jenen weiblichen Mittvierzigern, die Eat, Pray, Love einmal zu oft gelesen haben, habe ich eine Woche entspannt, mal ein bisschen Abstand vom Alkohol gehalten und viel Yoga gemacht.

Ich habe mich ein bisschen aus dem Stadtzentrum zurückgezogen, um meine Ruhe zu haben und das Ubud Yoga Center wurde zu meiner neuen Heimat. Viel weniger überlaufen als die berühmt berüchtigte Yoga Barn und wunderschön mitten in der Natur gelegen (und das Essen im Cafè ist auch seeehr gut). Und nach ein bisschen Übung habe ich es auch durch anderthalb Stunden Bikram Yoga (sehr heißer Raum, sehr anstrengend) geschafft, ohne den Kopf zwischen die Knie nehmen und das Gefühl zu haben mich gleich übergeben zu müssen. 😅

Um ein bisschen rauszukommen, habe ich mir einen Roller und jemanden der ihn fahren konnte geschappt und wir haben die Gegend um Ubud erkundet. Durch Reisfelder zu einem Wassertempel, der um eine heilige Quelle errichtet wurde. Peinliche Geschichte hier: nach fast vier Monaten in Südostasien und vermutlich 10kg Reis, die ich bis dahin gegessen habe, habe ich mir bis Bali nie Gedanken darüber gemacht, wie so ne Reispflanze aussieht… Aber jetzt weiß ich es ja zum Glück: der Reis wächst in der überschwemmten Erde am Ende der grünen Büschel, die aus dem Boden rausschauen.

In dem Wassertempel kann man tatsächlich auch Baden gehen, aber auch wenn wir uns auf eine Erfrischung gefreut hätten, haben uns die Menschenmassen, die bereits im Becken standen doch ein weeenig abgeschreckt. Für die buddhistischen Balinesen ist das natürlich nicht nur ein Planschbecken, sondern Teil einer Zeremonie und des Gebets, das nach der Reinigung abgehalten wird. Das Wasser im Becken kommt nämlich direkt von den heiligen Quellen, die sich faszinierend grünlich-schimmernd im Zentrum des Tempels befinden.

Zurück in Ubud habe ich mich wieder auf meine 2x täglich Yoga/gesund leben Routine besonnen. Im Studio habe ich zwei wunderbare Mädels aus Irland getroffen mit denen ich abends meistens unterwegs war; zum Beisiel im ersten (und ich glaube einzigen) veganen Kino. Ja, so was gibt’s. Super leckeres veganes Essen direkt ans Sofa vor der Leinwand serviert.

Meine zweite Station in Bali war Canggu. Vor zwei Jahren noch ein Kaff mitten im Nirgendwo und geheimer Surf-Spot, doch mittlerweile ziemlich coole Stadt mit einem Cafè, Club und Hostel nach dem anderern. Doch die Surf und Skate Szene ist immer noch allgegenwärtig und dann habe ich gemacht, was man halt so macht in Canggu: morgens surfen (oder in meinem Fall meistens denen die es drauf haben zuschauen), mittags ausruhen, abends feiern, nachts schlafen und dann alles wieder von vorn.

(das obligatorische mit-dem-Rücken-zur-Kamera-am-Pool-sitzend-Photo stellt ihr euch bitte ohne die drei komischen Typen im Hintergrund vor)

Im Hostel habe ich dann einen Saufkumpel vor dem Herren getroffen und zusammen haben wir das Inselleben genossen, sind durch die Strandclubs gezogen und haben, naja, getrunken. Verantwortungsvoll natürlich. Und dann muss man sich natürlich den ganzen Tag über schwerwiegenden Entscheidungen stellen. Will man lieber am Strand liegen oder am Pool? Lieber Bier oder Cocktails? Will man über die Insel cruisen oder doch lieber den ganzen Tag die Hunde im Hostel durchkraulen? Ach, das Leben ist hart in Bali… und ich vermisse es!