unter den maulbeerbäumen

Nach Melbourne habe ich mich (mal wieder) in den Bus gesetzt und bin die Küste hoch nach Adelaide gefahren. Glücklicherweise konnte ich wieder bei meiner Gastfamilie wohnen und die Wiedersehensfreude war auch groß. Es war schon ein bisschen komisch nach fast drei Jahren wieder in der Stadt zu sein in der man mal neun Monate gelebt hat. Ich konnte mir zum Beispiel keinen einzigen Straßennamen merken, habe mich aber problemlos in der Stadt zurechtgefunden. Ständig habe ich mich an bestimmte Tage und Ereignisse zurückerinnert und ein Deja-vu jagte das nächste.

Der Plan war eigentlich nur ein paar Tage zu bleiben, aber es war dann zu schön und zu praktisch (kostenlose Unterkunft und lecker Essen😉), um nicht doch noch ein bisschen länger zu bleiben. Außerdem war zu der Zeit das Fringe Festival in vollem Gang! Angefangen hat das ganze vor Jahren als Nebenakt zum Adelaide Festival, als Möglichkeit für weniger bekannte Künstler sich auszuprobieren und vor kleinerem Puplikum aufzutreten. Doch mit der Zeit hat das Fringe immer mehr Liebhaber gewonnen und mittlerweile ist es ein vier-wöchiges Festival zu dem renommierte Künstler aus der ganzen Welt kommen. Schon als ich als letzte Mal in Adelaide war, war das Fringe eines der Highlights (damals hatte ich sogar die Möglichkeit selbst mit meiner Schule dort aufzutreten!). Dieses Mal habe ich mich eher aufs Zuschauen verlegt, was aber auch unfassbar viel Spaß gemacht hat. Nachmittags und abends haben wir uns also hin und wieder eine Show angesehen oder haben einfach das gute Essen und die Drinks im Garden of Unearthly Delights oder im Royal Croquet Club genossen.

Das Wochenende über wollten wir aber raus aus der Stadt und da traf es sich gut, dass der Freund meiner Gastmutter ein paar Stunden außerhalb von Adelaide eine Farm besitzt. Maria (meine Gastmutter) hat Izzy (eine meiner Gastschwestern) und mich am Freitag abends ins Auto gepackt und wir sind die drei Stunden die Küste runter gefahren. Gewohnt haben wir nicht direkt auf der Farm sondern am Strand im kleinen Ort Kingston. Doch gleich am Samstag morgen ging es los aufs Land.

Nur zehn Autominuten vom Strand entfernt liegt die (riesige, aber für australische Verhältnisse ziemlich kleine) Farm auf der hunderte Rinder und Schafe gehalten werden. Die Schafe werden zweimal jährlich geschoren, die Wolle kiloweise verkauft und sonst genießen sie das Leben in der australischen Sonne im Schutz ihrer Herde.

Die Rinder kommen da nicht so gut weg. Sobald eine Kuh nicht schwanger geworden ist, kommt sie in den Burger. Die anderen kümmern sich um ihre Kälber und wir hatten sogar das Glück ein gerade mal ein paar Stunden altes Kalb mitsamt Mama zu sehen.

Immer in Begleitung von Hofhund Oggi haben wir den ganzen Tag lang die verschiedenen Herden besucht und sind dann zurück auf den Hof gefahren um schnell noch ein bisschen Obst und Gemüse fürs Abendessen zu pflücken. Schnell ging dann aber gar nichts, denn wir haben eine halbe Ewigkeit unter dem Maulbeerbaum im Garten vertrödelt. Doch während Maria und ich fleißig Maulbeeren für den Nachtisch gepflückt haben, hat sich Izzy eher darauf spezialisiert so viele Beeren wir möglich zu essen. Am Ende, von Kopf bis Fuß in blutrotem Saft, sahen wir aus als ob wir jemanden umgebracht hätten.

Müde, aber glücklich sind wir daheim angekommen und haben bei einem (oder zwei) Gläsern Wein Karten gespielt. Währenddessen war der Braten schon im Ofen und musste nur gegessen werden. Und was gab’s? Lamm. Aus eigener Haltung! Habe aber selten so gutes Lamm gegessen.

Am nächsten Tag waren dann die Heimwerker unter den Urlaubern gefragt. Da Marias Freund gerade erst in das neue Haus gezogen war, gab es noch viel zu erledigen. Und so sind wir am Sonntag mit Eimern und Pinseln dem alten Zaun zu Laibe gerückt. Zufrieden mit unserer Arbeit und mit dem Blick auf einen neuen, hübsch blauen Zaun, haben wir uns abends ein Glas Wein gegönnt (alle außer Izzy natürlich, zwölf ist dann vielleicht doch ein bisschen zu früh) und haben es uns im Whirlpool gemütlich gemacht.

Am Sonntag Abend mussten wir leider schon wieder Abschied und die Fahrt zurück auf uns nehmen. Nach dem Wochenende habe ich noch ein paar Tage in Adelaide verbracht, bis es wieder zurück nach Melbourne ging. Und dann? Auf zu neuen Ufern! Nach Neuseeland 🙂