Von Fjorden und Pianisten

In Queenstown angekommen, wurde mir dann erst mal schlagartig bewusst, dass Herbst in Neuseeland heißt, dass es kalt werden kann. Sehr kalt. Je näher man an die Antarktis herankommt, desto kälter wird es logischerweise und dass Queenstown im Herzen der Southern Alps liegt, hat auch nicht geholfen. Das alles hat aber der Schönheit des Ortes und vor allem der Umgebung nichts abgetan. Im Gegenteil. Queenstown hat fast schon ein bisschen Alpen Flair; es fühlt sich an wie im Skiurlaub (na gut, zugegeben ist Queenstown doch ein bisschen hässlicher als malerische Schweizer Alpendörfer). Aber mindestens genauso touristisch 😉 Und während meiner Zeit dort hat sich auch die Sonne immer fleißig blicken lassen, was den Blick über den Lake Wakatipu noch beeindruckender werden ließ.

Von Queenstown aus kann man unzählige Trips und Touren unternehmen. Wem’s Spaß macht, kann sich für viel Geld aus Flugzeugen oder hundert Meter hohen Brücken stürzen. Oder man unternimmt eine Tour zu dem berühmten Milford Sound. Da Queenstown aber mitten in den Bergen und Milford am Meer liegt, ging es erst mal fünf Stunden mit dem Bus durch die Gegend. Mit erstem Zwischenstop im kleinen Te Anau und dann ein paar weiteren Stops auf dem Weg, je nach dem wo es noch etwas zu sehen gab. Zum Beispiel die Mirror Lakes. Wobei See hier etwas übertrieben ist. Pfütze passt eher. Aber trotzdem hat es seinen Charme, denn wenn kein Wind geht, sind die Seen spiegelglatt und glasklar und man kann die Spiegelung der Berge im See bewundern.

Und Glück haben darf man auch mal! An einem weiteren Stop, an dem wir eigentlich nur die Aussicht genießen sollten, sind wir nämlich noch in den Genuß von ein bisschen Live-Musik gekommen. Mitten in der Pampa hat der Kerl sein Klavier hingestellt und uns alle mit wunderschöner Musik bezaubert. Und wenn man dann umgeben ist, von der majestätischen Natur Neuseelands, muss man sich einen Augenblick Zeit nehmen, um sich umzuschauen, der Musik und den Vögeln zu lauschen und einfach mal die Klappe zu halten und zu staunen. Und glücklich sein, solche Momente immer wieder erleben zu dürfen.

Nach diesem Erlebnis, war die eigentliche Attraktion Milford Sound (ich trau’s mich kaum zu sagen) fast ein wenig enttäuschend. Aber natürlich trotzdem wunderschön! In dem winzigen Ort Milford angekommen, ging es gleich auf das Boot, um einmal den Fjord entlang zu fahren. Vorbei an hohen, schneebedeckten Bergen und tiefblauem Wasser, ging es Richtung offenes Meer. Zwei drittel des Jahres soll es in Milford angeblich wie aus Kübeln schütten, aber ich hatte Glück und die Sonne hat den ganzen Tag zwischen ein paar Wolken hervorgelacht. Das besondere wenn es regnet ist, dass sich tausende Wasserfälle die steilen Klippen hinunter in den Fjord stürzen. Aber auch wir sind immerhin an ein zwei Wasserfällen vorbeigekommen.

Angekommen an der Öffnung der Meerenge, wurde die See rauer und Wind pfiff uns um die Ohren. Aber jetzt konnten wir einen Blick zurück auf’s Festland werfen. Und plötzlich hat man auch verstanden, warum die ersten Entdecker Neuseeland so oft an Milford Sound vorbeigefahren sind, bis der Fjord entdeckt wurde. Nur eine kleine Öffnung lässt vermuten, dass sich am Horizont nicht nur hohe Berge sondern auch tiefe Seen verbergen.

Nach anderthalb Stunden auf dem Boot fuhren wir wieder in den Hafen von Milford ein. Und dann ging es auch gleich wieder in den Bus, denn es warteten ja noch fünf Stunden Rückweg auf uns. Wer das nötige Kleingeld hat, kann auch bequem per Wasserflugzeug zurückfliegen; lag dann aber doch knapp außerhalb meines Budgets. Gerade weil meine Zeit in Neuseeland ja noch nicht zu Ende war. Nach ein paar Tagen in den Bergen hat es mich wieder an die Küste gezogen und ich bin nach Dunedin gefahren. Dunedin war für mich der südlichste Punkt meiner Reise, so nah an der Antarktis war ich noch nie! Will aber ehrlich gesagt auch nicht viel näher ran kommen. Denn sobald ich in Dunedin aus dem Bus stieg, fing es an zu schütten. Und das blieb dann auch erst mal so. Also habe ich meine Zeit im eigentlich ziemlich coolem Dunedin hauptsächlich zwischen Netflix auf der Couch, heißem Tee und warmen Bikram Yoga Studio verbracht. War aber auch schön.

Nach Dunedin ging es wieder nach Norden, nach Christchurch, von wo aus ich mich in den Flieger zurück nach Auckland gesetzt habe. Christchurch ist nach dem verheerenden Erdbeben 2011 immer noch im Aufbau. Das tut dem Charme der Stadt jedoch nichts ab. Im Gegenteil, die Mischung aus zerfallen, mit Streetart geschmückten Gemäuern und modernsten Bauten aus Glas und Stahl geben Christchurch eine coole Atmosphäre. Und falls sich einer von euch mal nach Christchurch verirrt, kann ich euch den botanischen Garten sehr empfehlen. Da habe ich nämlich meinen Tag bei schönstem Wetter mit slacklinen, spazieren und picknicken mit ein paar Leuten verbracht. Und bald gibt es auch noch das letzte Kapitel meiner neuseeländischen Geschichte. Verspochen!